D a s
L i b e r a l e T a g e b u c
h
|
|
Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
|
24. April 2005, 15:15 Uhr Fischer-Skandal ist inzwischen
Kanzler-Skandal von Bernardo Trier Weil Fischer so viel Parolen bläst, haben wir es schon vor
Jahren geahnt: Wie konnte Gerhard Schröder (SPD) bloß eine derartige Niete
zum Außenminister ernennen? Stimmt, Fischer kann in der Meta-Ebene die Welt
erklären; sein Weltschmerz steckt viele an; so wurde Fischer monatelang
populär. Gesamtfazit vorab: Fischer beherrscht aber nicht einmal
elementarste Führungstechniken (*). Halten wir fest: Solche Flops hat es in der deutschen
Wirtschaft schon serienweise gegeben. Entweder die Projektkosten
explodierten, Jahre gingen verloren oder die Unternehmen machten schlicht
pleite. Neunzehnhundert Achtundneunzig Siegten unsere Fulminanten. Stolz wie Schneekönige. „Wir
heben die Welt aus den Angeln. Diese Dooflinge der
Vorgängerregierung, halten nicht einmal unserem Schwadronat
stand. Wäre doch gelacht, wenn wir im AA nichts zum Modernisieren finden.“ Fischer in der Metaebene, konnte sich nach hinten lehnen.
Bis in den Frühjahr 1999 war von Klaus Kinkel alles eingestielt
(etwa Berlin- und Köln-Gipfel). Und Vollmer, Adlatus vom Boß,
erhielt (wie wir heute wissen) das Himmelfahrtskommando:
"Reorganisation", aber immer schön themenorientiert, keine
Ideologie, lieber Vollmer. zu Umweltschmutz war wenig zu holen. Immehin hatte Genscher 1971 in dieser Sache längst die
Pflöcke eingehauen. Und da die Grünen wohl heute noch meinen, nur sie seien
die von den Menschenrechten ... wurde unser Meister Vollmer auf dem Sektor
glatt fündig. Meinte er – zum Ergötzen der Grünen. Wie ist der Ablauf gewesen mit dem
Fischer-Vollmer-Flop-Erlass? Es gab die Reklamationen, wie Vollmer vortrug. Wie viele?
10, 20 ... Tausende? Der Himmel wird es wissen ... Wer aber seinen Popper
nicht gelesen hat ... macht prompt die entsprechenden Fehler. Vollmer wird schon im frühen Frühjahr 1999 als er
unbeaufsichtigt (Konferenz-Zeiten) im AA „herumturnte“, den Referenten und
Referatsleitern auf die Nerven gegangen sein. Denn Menschenrechts-Fälle gab
es aus Schäferschem-Nachlass sogar auf seinem
Schreibtisch. Angeblich. Selbstverständlich und nachvollziehbar hat jedermann, der
von Vollmer in dieser Zeit kontaktiert wurde „die Vollmer-Gespräche fluchend
geduldet“, obwohl auf dem entsprechende fachlichen
Niveau, selbstverständlich schon das erste Gespräch mit einem Referatsleiter
oder Referenten die Problemlage klar beschrieb. Davon (also dem Juristischen)
aber verstand unser lieber Ludger Vollmer nichts, wie Jerzy Montag fleißig
und oberschlau, am 21. April mehrfach allen Deutschen mitteilte. Aber Vollmer
musste bringen. Möglicherweise hatte er in der Fraktion schon über die „unfassbare
Menschenrechtssituation“ im AA berichtet. Sein Chef derweil in den höheren
Sphären ... hat sich bestenfalls einen geschmunzelt: Lasst mal den tüchtigen
Vollmer ... und Vollmer, auf dem Raupenschlepper, geriet in „feuchten Boden“,
derweil „die Fachleute", eisern, längst feixten: Vollmer in der Falle,
ließ sich nach Absprache sogar in den Petitionsausschuss zitieren, wo unsere
Neuregierenden (bereits geschädigt) ihren Pendants der Vorgängerregierung so
gerne mal eine Harke zeigen wollten. Wenn Vollmer im Dezember 1999 zwei Monate Urlaub machte,
hat er den Sommer vermutlich „durchgearbeitet“. Das LT notiert: Machen Sie mal
Innovation in einer Bürokratie, wenn der halbe Laden "verreist" ist
und gerade der Spezialist, den Sie für eine kleine Auskunft brauchen, um
einem anderen Spezialisten, der "Bedenken" hat, auf die Pelle
rücken. Das LT schreibt für alle jüngeren Zeitgenossen auf: Das ist ein
Fegefeuer; Sie werden verrückt. Fragen wir schon an dieser Stelle: Welche Kompetenzen
(auch informelle) hatte Vollmer erhalten? Keine, garantiert. Und
Sachkompetenzen für den Nichtjuristen in Sachen Recht? Also besessen ist auch
Fischer, aber nicht ganz bekloppt, so wie aus Hessen sicher schon mit
Berufserfahrung zum Thema "vorsichtige Juristen" (nichts gegen
Anwälte - ehrlich) einigermaßen gesegnet. Also da hat Fischer den Herrn
Vollmer nicht rangelassen: „Geht nicht wegen der Geschäftsordnung“, könnte
die blauäugige Begründung gewesen sein. Vermutlich ohne weitere Probleme
hätte Fischer drei bis vier Fachleute, dem Herrn Vollmer für das Thema
zeitweise zur Verfügung stellen können. Hat er aber nicht. U.a. weil sich
dann die Hierarchie aus dem Thema ausgeklinkt hätte. Kein Staatssekretär
hätte unterschrieben ... Und Fischer wäre heute seit Monaten nirwanisiert. Also unser Vollmer ruderte und ruderte. An dieser Stelle kommt nun ein Blackout, weil die
LT-Redaktion nicht weiß, wie und warum es zu den Verordnungen vom
September/Oktober 1999 kam. Möglich, dass hier Vollmer schon
"gewirkt" hat und die Juristen sagten: "Wir bessern das
nach" in der Hoffnung mit den "modernen" Ideen des Neuen nun
in Frieden gelassen zu werden. Wie dem auch sei, zufrieden waren
"die" damit noch lange nicht. Vollmer ruderte, ruderte, ruderte ...
erster echter Ärger könnte sich breit gemacht haben. Auch Fischer könnte
davon „Wind bekommen haben“, plus Bestätigung von Vollmer. Fischer könnte
gefragt haben: "Wann sind sie fertig?" „Ich brauche ihre
Unterstützung“, die Antwort von Vollmer. Liebe Leser, auch dies ist typisch:
Hat einer in einer großen Organisation „das Recht zu sprechen mit wem er
will“, werden alle Telefone auch zu höchsten Chefs stets sofort durchgestellt.
„Beliebt“ sind solche Leute aber mitnichten. Null Ahnung (Fachkenntnisse) und
Null-Kompetenzen wirken wie ein Kainsmal. Daher
muss irgendwann der oberste Chef, oftmals mächtiger Gottvater, selber ran
(der hatte inzwischen das von Kinkel hinterlassene Programm abgearbeitet,
Umfragen waren schlecht). Genau der Zeitpunkt um zu zeigen „wie hier jetzt
regiert wird“. So kam es zur "Hausbesrpechung"
(alle dabei, außer dem zuständigen Staatssekretär, der sich angenehmerweise
in der Einarbeitung befand) mit Fischer am 23.11.99. Möglich, dass Fischer
schon irgendeinen im AA exemplarisch exekutiert hatte, also hat es nach aller
Erfahrung keinen großen Widerstand gegen den „politischen Willen“ der
AA-Leitung mehr gegeben. Leider liegt dem LT das Protokoll der Besprechung
nicht vor. Wirklich schade. Nun auf der besagten Besprechung werden Nägel mit
Köpfen gemacht worden sein. Möglicherweise wurden sogar Termine gesetzt ...
der gestresste Vollmer (echtes Mitgefühl für den Menschen) konnte am 1.
Dezember im Petitionsausschuss berichten "Fischer hat auf den Tisch
gehauen" und ... ist frustriert in Urlaub gefahren. Das LT kommentiert
seine krankheitsbedingte Abwesenheit nicht. Notiert sei zum Verständnis:
Vollmer war ab Ende Februar wieder im Dienst. Die Beamten hatten ihrerseits das Vorhaben auf das
Erstellen einer Unterlage (geeignetes Verb hier echt schwierig)
"konfiguriert", waren "prozesstechnisch" (Arbeitsabläufe
im AA) auf der sicheren Seite, haben unter „der klug gestellten, schwierigen Aufgabe“ sicherlich hörbar geächzt
(Fischer: „Wie die arbeiten“), auf jeden Fall in aller Treue gedient ...
aber: Fischer, letztlich, im Winter 2000, reingeritten. Wer nicht hören will,
muss fühlen - noch morgen, am 25. April 2005. Vordergründig muss Fischer sich auf Grund der Prozedur im
AA (Referatsleiter bis Staatsekretär unterschrieben, dann er - eine tagelange
Prozedur) sicher gefühlt haben. Aber ganz doof war und ist Fischer nicht:
Aktennotiz oder Bemerkung auf Zettel: "Vollmer, Glückwunsch zur
Genesung, gerade im richtigen Augenblick zurück. bitte als ‚mein
Projektleiter (Spiritus Rector)’
"abzeichnen" (nicht unterschreiben). So agieren Bosse auch in der
Industrie, wenn sie wenig Ahnung oder Zeit haben und sich absichern wollen. "In dubio
pro libertate". Vollmer also war es nicht. Wer, ist
unbekannt. Tipp des LT: Das war Fischer, himself.
Vielleicht am 23.11.99. Und er muss das sehr "gut" gefunden haben.
Vielleicht nur als Anregung für den Geist der "modernen" Verordnung.
Jedenfalls könnten die lieben Mitarbeiter gemeint haben, dem Chef, der
vielleicht sogar insistiert hat, den Gefallen zu tun, das inzwischen
skandalisierte „in dubio pro libertate“
(welchem Liberalen schlägt dabei nicht das Herz höher) in die Verordnung
hineinzuschreiben; so was gefällt vom Chef bis zum Prof. jedem Menschen, der
erhaben ist. Und jetzt werden Sie wissen, warum Vollmer vor
"abzeichnen" die Floskel problematisiert hat: Weil er von Tuten und
Blasen keine Ahnung hat. Die Mitarbeiter hatten dem mächtigen Chef - um
Schaden auf jeden Fall abzuwenden – „das in dubio
pro liberatate“ als salvatorische Klausel der
Visum-Antragsprüfung eingebaut. Alle waren zufrieden. Nur der abwesende,
ahnungslose Vollmer nicht sofort. Der musste einem Spezialisten, sagen wir,
noch einmal 30 Minuten auf die Nerven gehen, bevor ihm das verklickert werden
konnte. Ein Vollmer-Erlass war das so gesehen nicht mehr. Fischer
hatte die Segel gesetzt. Am 23.11.99. per Gewaltakt. Warum sollte sich
Vollmer im weiteren Zeitverlauf um ein fremdes Baby kümmern? Gut, er hatte
"abgezeichnet" also war er nicht ganz draußen und hatte auch die PK
in den Tagen nach dem 3. März 2000 abhalten "dürfen". (für
Normalmenschen: Das ist solchen Kreisen eine große Ehre). Selbstverständlich hat Fischer Bedenken und später über
Probleme (aus Sicht der Opfer der Kriminalität: Leider) gehört.
Vollmer am 21. April 2005: „Es ist etwas schief gelaufen“.
Wie wahr. Selten regierungsseitig in diesen Jahren zu hören. Hat Fischer
vielleicht auf Veranlassung von Schröder Vollmer deswegen gefeuert?
Berechtigt wäre das nicht: Denn Vollmer hat, den Aussagen der Vernehmung
zufolge, in der Tat nicht einmal fachliche Ahnung. Aber eingesetzt, mit der
Aufgabe betraut, vieles dennoch selbst erledigt, hat Fischer den Ludger
Vollmer. Also: Zwischenergebnis: Fischer ist neben politischer Besessenheit (im U-Ausschuss
nicht justiziabel) krasses Führungsversagen
vorzuwerfen. Zwar hat das LT vor einigen Wochen bereits den Ablauf
des Kiew-Besuches vom 23. Juni 2000 kritisiert, weil Führungskräfte so nicht
handeln dürfen. (Übrigens veranlasste dieser Vorgang das LT am 6./7. März
2005 erstmalig den Rücktritt von Fischer zu fordern). Die "Erkenntnisse" des LT beruhen im
Wesentlichen aus dem Erlebnis der Vollmer-Vernehmung am 21. April: Einige
Zeitungen haben es geschrieben: Die Probleme für Fischer sind durch die
Vollmer/Pleuger-Vernehmung, weil beide zu viel
nicht mehr wissen, erheblich gestiegen. Man kann sagen, Vollmer/Pleuger haben Fischer schwer belastet. Ob aus Absicht
oder aus Angst (was auch immer) sei dahin gestellt. Fischers Führungsversagen:
Wie hätte Fischer vorgehen können bzw.
müssen: Klassische Projektmanagement-Verfahren
anwenden. Dazu
nur wenige Ausführungen „in der Meta-Ebene“ als Beispiel:
Ach-und-übrigens: Das LT plädiert nicht für die
Einschaltung von sogenannten Unternehmensberatern … fragen Sie Clement, was die
Reorganisation der BA kostet. Zu verlangen ist, dass in den Behörden selbst,
Reorganisation „beherrscht“ wird. Es macht keinen Sinn, Theoretiker
heranzuziehen. Die Praktiker müssen können und wollen. Fragen wir mit dem
Risiko „einer gehörigen Antwort“: Wie viel Seminare zwecks Fortbildung hat
der treue Staatsdiener, Herr Pleuger, in den
letzten 15 Jahren besucht“? Im Falle Fischer fragen wir lieber erst gar
nicht. F a z i t : Konzediert, dass im politischen Raum 1. und 2. nicht Usus,
da dies menschlich betrachtet, als blauäugig, daher als nicht machbar
betrachtet wird. Warum eigentlich? Weil „wir“ so arrogant sind, alles besser
zu wissen und zu können? Damit die perfekten Hochmögenden sich keinen Stein
aus der Krone brechen? Bitteschön: Plus 50 Zwangsprostituierte. Ist das
Nichts? Hätte Fischer wenigstens einige der o.a. Punkte,
elementarstes Führungswissen, beachtet, hätte er beizeiten
erfahren, welche Folgeprobleme sich ergeben können.
Sogar der fertiggestellte Erlass hätte noch eingestampft werden können.
Schlecht für Vollmer, da keine PK.
Aber beispielsweise 50 Zwangsprostituierte weniger hätte es gegeben. Sollte Fischer (wie Vollmer am 21. April) meinen: „Ich
stehe zum Erlass, einschließlich Realität der Ist-Durchführung“, dann muss er
gestern zurücktreten; das hieße nämlich, er hat nichts verstanden. Darum geht
es auch: Was hat Fischer denn eventuell verstanden? Also ist Fischer zum Canossa-Gang zu zwingen. Er muss Fehler nicht nur möglichst allgemein erwähnen. Fischer muss seine
Fehler beschreiben. Was der Untersuchungsausschuss dann vor dem
Hintergrund dieser Ausführungen entscheidet, kommentiert das LT nicht, denn
der Untersuchungsausschuss ist auch ein Gericht. Tüchtige Rechtsanwälte hat
zumindest die FDP entsandt. Die Organisationslehre, die das LT hier
heranzieht, ist für jede Führungskraft verständlich. Zumindest für solche bei
den Liberalen der FDP. Sie wissen worum es geht – übrigens schon vor der
Geisteshaltung her. Hätte der Hund nicht … Dennoch. Hätte Fischer sich
wenigstens die Frage ausarbeiten lassen: „aktuelle Probleme …
daher Zielsetzung“, hätte er das Schlimmste vermeiden können; vor
allem sich selber aber mit der nötigen Gelassenheit an seine Arbeit machen
können. Aber nein: Hier ist die Ideologie eben mit ihm durchgegangen. Die
Fraktion wollte Blut sehen. An die CDU/CSU: Das ist nicht einfach für
Justiziabilität zugänglich. Daher: Fischers Canossa-Gang erzwingen. Es geht um Kultur. Es geht auch um das Image unserer
Produkte in der Welt. Wenn „wir“ Fischer laufen lassen, werden wir alle gleichermaßen
als „unfähig“ beschrieben. Ein wirtschaftlich wirksames Phänomen wird
Politik. Sogar Schröder könnte meinen, so dicke wie
früher, hamm wir es auch nicht mehr. ________________________________________________________________ Kollegen, Mitarbeiter, brutal zusammenstauchen (Sie wissen,
man kann das auch volkstümlich ausdrücken) macht zwar Eindruck, denn die
Betroffenen funktionieren vor Angst. Aber Führung ist das natürlich nicht ...
wie war das noch, damals 1983/4 bzw. 1994/5 in Bonn, als es darum ging, die
besseren Plätze, knappe Computer und Büroausstattung in der Fraktion der
Grünen zu verteilen? ... Das LT weiß von Originalzeugen, alles ... (Schily
jedenfalls hat sich das à la long wohl nicht
gefallen lassen ... und trat bei den Grünen aus). Auch dieses hat Fischer nicht einmal im
Traum bedacht: Sind Kriminelle in einem Rechtssystem eingebunden, sind sie
leichter zu kontrollieren als bei so genannter grenzüberschreitender
Kriminalität. Das gilt für gewöhnliche Kriminalität nicht anders als für die
sogenannte „Wirtschaftskriminlaität“. Insofern hat
- von Fischer sicherlich nicht beabsichtigt - die Welt-Kriminalität per Saldo
zugenommen. Nicht im Traum hat Fischer daran gedacht. Das ist es eben. Dafür
soll „niemand“ die Verantwortung übernehmen müssen? Kein einziger Rücktritt
fällig, keine Disziplinarmaßnahme ist überfällig? |