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s L i b e r a l e T a g e b u c h
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Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
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LT-Redaktion: Grüne,
häufig von Beruf Lehrer, wissen „es“ besser … Warum die Grünen ihr
Programm neu aufgelegt haben ist unbekannt. Arroganz und Sprachstil
unserer Grünen sind Ausdruck totalitärer Mentalität. Kommentierungen zum Koalitionsvertrag Union und FDP haben ihren Koalitionsvertrag
vorgelegt. Selten hat es einen peinlicheren Fehlstart in eine
Regierungskoalition gegeben. Die schwarz-gelbe Koalition tritt an ohne
Vision, ohne Modernisierungsprojekt, ohne Zukunftsidee und ohne Orientierung.
Mit diesem Regierungsprogramm stellt sich Schwarz-Gelb gegen breite
Mehrheiten in der Bevölkerung. Hier die grünen Kommentierungen im Detail Agrarpolitik, 27. Oktober 2009 Wachsen oder Weichen! Das Agrarkapitel im Koalitionsvertrag liest sich wie
der Wunschzettel des deutschen Bauernverbands. 200 Millionen Euro werden
zusätzlich für die Unterstützung der Landwirtschaftlichen Unfallversicherung
locker gemacht und 50 Millionen für ein Krisen-Liquiditätsprogramm. Hinzu
kommt die Verlängerung der Agrardiesel-Subventionen. Die schwarz-gelben Koalitionäre haben die
wettbewerbsfähigen Betriebe fest im Blick - gemeint sind damit die Betriebe,
die sich am Weltmarkt orientieren. Diese wollen CDU/CSU und FDP nicht durch Auflagen
belasten und versprechen darum die 1:1-Umsetzung aller EU-Vorgaben. Dem
Vertragsnaturschutz soll zukünftig klarer Vorrang gegenüber dem Ordnungsrecht
eingeräumt werden – wohlwissend, dass Deutschland weit davon entfernt ist,
selbst gesetzte Ziele beim Natur- und Umweltschutz zu erreichen. Und wohl
wissend, dass der Vertragsnaturschutz, für den die Länder zuständig sind,
mehr schlecht als recht funktioniert. Die Agrardieselsubventionen werden
fortgesetzt und die staatliche Absatzförderung auf internationalen Märkten
ausgebaut. Auf europäischer Ebene will man sich auch über 2013
hinaus für hohe Direktzahlungen ohne zusätzliche Auflagen stark machen. Und
Exportsubventionen sollen nur im "internationalen Vergleich"
abgebaut werden. Neue Konzepte - Fehlanzeige Die Verantwortung der Landwirtschaft für
Klimawandel, Artenverlust und Umweltprobleme blenden die schwarz-gelben
Koalitionäre komplett aus. Impulse für eine Agrarpolitik, die die Interessen
von Umwelt, Klima und Verbraucher berücksichtigt, werden nicht gesetzt. Der
ökologische Landbau wird lediglich als Marktsegment, nicht aber als Leitbild
für eine nachhaltige Landwirtschaft anerkannt. Es fehlt aber auch jegliche Vision zum Erhalt der
bäuerlichen und mittelständischen Betriebe mit ihren gesellschaftlichen
Leistungen. Faire Preise, die das Einkommen einer multifunktionalen
Landwirtschaft sichern können, finden nicht einmal Erwähnung, ebenso wenig
wie Ideen, um diese zu erreichen. Auch wenn Union und FDP das anders darstellen – die
Politik der Intensivierung und Globalisierung gefährdet die Existenz der
bäuerlichen und mittelständischen Agrarwirtschaft. Wachsen oder Weichen ist
die Devise. Wer da nicht mithalten kann, erhält als Sterbehilfe noch für
einige Zeit Fördergelder zum Beispiel in benachteiligten Regionen. Desaströse Milchpolitik wird fortgesetzt Bei der Milchpolitik bekennt sich Schwarz-Gelb klar
zum Quotenausstieg und setzt vor allem auf strukturverbessernde und
absatzfördernde Maßnahmen, um die "notwendigen Anpassungsprozesse"
der Milchviehbetriebe zu begleiten. Einziges Zugeständnis an die CSU – die ja den Schutz
der bäuerlichen Landwirtschaft in Bayern zur Bedingung für ihre Unterschrift
unter den Koalitionsvertrag gemacht hatte – ist, dass 500 Millionen Euro für
ein zweijähriges "Grünlandmilchprogramm des Bundes" zugesagt
wurden. Dies ist im Grunde zu begrüßen, aber viel zu wenig, um die Existenz
bedrohende Lage der Milchviehbetriebe zu verbessern. Es hängt nun von der
Ausgestaltung ab, ob das Programm den Betrieben und der Umwelt überhaupt
etwas nutzt. Arbeitsmarkt, 27. Oktober 2009 Dumpinglöhne und Leistungseinschnitte Die Beschlüsse von Schwarz-Gelb zur Arbeitsmarktpolitik Nach dem Willen von FDP und CDU/CSU soll es keinen
allgemeinen Mindestlohn geben. Die bisher erreichten Branchenlösungen werden
sogar zur Disposition gestellt: Eine Evaluierung soll bis Oktober 2011
klären, ob die bisherigen gesetzlichen Lösungen für Branchenmindestlöhne
aufgehoben werden können. Schwarz-Gelb will also nicht nur nichts gegen das
aktuell stattfindende Lohndumping tun, die Koalitionäre wollen Niedrigstlöhne
auch noch deutlich ausweiten. Dank CDU/CSU und FDP wird der Niedriglohnsektor
einen echten Konjunkturschub erleben. Das gesetzliche Verbot sittenwidriger Löhne ist
reine Augenwischerei, es kann Mindestlöhne nicht ersetzen. Es grenzt an
Verhöhnung, wenn CDU/CSU und FDP das als Arbeitnehmerschutz verkaufen wollen.
Das geplante Verbot schreibt nur fest, was durch einschlägige Rechtssprechung
bereits längst klar ist: Löhne, die 30 Prozent unter den branchen- oder
ortsüblichen Tarifen liegen, sind nicht erlaubt. Für Friseure in Sachsen,
deren unterster Tariflohn bei rund 3€/h liegt, wäre demzufolge erst ein Lohn
von weniger als 2€/h sittenwidrig. Wir finden, der Schutz vor Lohndumping
muss weit vorher beginnen, wenn er ernsthaft beabsichtigt wird. Ohne Mindestlöhne ist auch die Anhebung der
Zuverdienste, auf die sich FDP und CDU/CSU im Grundsatz geeinigt haben, eine
Subventionierung von Unternehmen, die Niedrigstlöhne zahlen. Der
Niedriglohnsektor wird weiter wachsen. Aufgestockt werden die Löhne durch
Arbeitslosengeld II. Das wird die Steuerzahler nach Schätzungen des DGB weit
mehr als zwei Milliarden Euro pro Jahr kosten. Die Anhebung des Schonvermögens für
Altersvorsorgevermögen ist für sich genommen sinnvoll und begrüßenswert. Sie
wird auch von uns - seit langem - in Form des grünen Altersvorsorgekontos
gefordert. Diese Anhebung dient aber lediglich dazu, der Koalition ein
soziales Deckmäntelchen überzustreifen. Nur wenige ALG II-Bezieher nützt
dieser Schritt. Viel wichtiger wäre die Anhebung des ALG II-Regelsatzes auf
ein existenzsicherndes Niveau von mindestens 420 Euro und die Anhebung der
Regelsätze für Kinder und Jugendliche. Davon ist keine Rede. Überdies wollen
FDP und CDU/CSU die Kosten der Unterkunft in Zukunft pauschalieren und nicht
mehr in voller Höhe erstatten. Das bedeutet krasse materielle Einschnitte.
Die aktiven Leistungen für Arbeitslose sollen "deutlich reduziert"
werden. Das bedeutet geringere Chancen auf den Wiedereinstieg in Arbeit. Die Koalitionäre haben sich für die notwendige
Neuordnung der Jobcenter auf die schlechteste Lösung für die Betroffenen
geeinigt. Sie streben eine getrennte Trägerschaft von Agenturen für Arbeit
und Kommunen an. Die Leidtragenden sind Arbeitslosengeld II-Empfänger, die
keine Leistung aus einer Hand mehr bekommen sondern in Zukunft doppelte
Ämtergänge und doppelte Antragsbürokratie über sich ergehen lassen müssen. Atompolitik, 27. Oktober 2009 Schwarz-Gelb kippt den Atomausstieg Wie erwartet, gibt Schwarz-Gelb der Atomlobby nach
und verlängert die Laufzeiten für Atomreaktoren. An die Laufzeitverlängerung
sind noch nicht einmal besondere Bedingungen geknüpft! Es heißt nur ganz
lapidar, dass die Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke „unter Einhaltung
der strengen deutschen und internationalen Sicherheitsstandards“ verlängert
werden sollen. Details der Laufzeitverlängerung bleiben im
Dunkeln Unklar bleibt wie lange und worin die
Laufzeitverlängerung besteht. Unendlich? Neue feste Strommengen? Übertragung
im Rahmen des Atomkonsenses? Sämtliche Details einer Laufzeitverlängerung
bleibt der Koalitionsvertrag schuldig. Diese sollen in einer "möglichst
schnell zu erzielenden Vereinbarung mit den Betreibern" geregelt werden.
Erwähnt ist lediglich, dass der "wesentliche Teil" der zusätzlichen
Gewinne vom Bund vereinnahmt werden soll und daraus die weitere Erforschung
der erneuerbaren Energien, insbesondere in die Speichertechnologie finanziert
werden. Die Erneuerbaren brauchen aber keinen von der Atomwirtschaft
gespeisten Fonds, sondern das Abschalten der AKW, um neues Volumen zum
weiteren schnellen Ausbau zu erhalten. Zusätzliche Milliarden für die Energiekonzerne Schrottreaktoren sollen einfach weiterlaufen und den
Energiekonzernen zusätzliche Milliarden bescheren. Tatsächlich sind die
einzigen Profiteure die Atomkonzerne. Jeder Tag längere Laufzeit bringt ihnen
pro Reaktor eine bis zwei Millionen Euro Zusatzgewinne ein. Darüber hinaus
behalten die Stromoligopolisten durch die Laufzeitverlängerung weiterhin auch
die Kraftwerkskapazitäten in Händen, die sie bei Beibehaltung des
Atomausstiegs bis 2022 verloren hätten. Mit der Festlegung auf Gorleben fährt die
Endlagerpolitik vor die Wand Bei der Endlagerfrage baut Schwarz-Gelb weiter am Lügengebäude
in Gorleben. Gorleben soll als einziger Endlagerstandort weiter erkundet
werden – und das nicht einmal explizit nach Atomrecht, sondern nur in einem
"öffentlichen und transparenten Prozess" mit begleitender Prüfung
einer Peer Review Group. Angesichts gefälschter Gutachten, geologischer und
rechtlicher Probleme sowie seiner rein politisch motivierten Festlegung ist
der Standort Gorleben verbrannt. Mit ihrem blinden Festhalten fährt die neue
Regierung die Endlagerpolitik sehenden Auges gegen die Wand. Der Salzstock in
Gorleben lässt ähnliche Probleme wie in der Asse
befürchten. Aufhebung des Moratoriums für Gorleben ist
verantwortungslos Die Koalition will das Moratorium zur Erforschung
aufheben, was nicht nur im Wendland zu Massenprotesten führen wird. Dabei
wird die geplante ergebnisoffene Prüfung von Gorleben ja noch längst kein
Endlager bringen und dazu führen, dass Deutschland danach weiterhin ohne
Endlager dasteht, was die Verantwortungslosigkeit der Laufzeitverlängerung
nur unterstreicht. Auch soll die Allgemeinheit nach wie vor auf dem
Großteil Kosten der verantwortungslosen Endlagerpolitik sitzen bleiben. An
den Sanierungskosten für die Asse II zum Beispiel sollen die AKW-Betreiber
lediglich "angemessen" beteiligt werden. Außenpolitik, 28. Oktober 2009 Kontinuität und Langeweile Der außenpolitische Teil des schwarz-gelben
Koalitionsvertrags beschwört nicht nur Kontinuität, sondern er demonstriert
vor allem auch wirtschaftsliberales und traditionalistisches Denken. Den
Aufgaben von Gegenwart und Zukunft wird er nicht gerecht. "Westliche
Werte" und nationale Interessen sind auch in der Außenpolitik zentrale
Leitlinie. Insgesamt bleibt der Koalitionsvertrag vage. Von den vollmundigen
Ankündigungen der FDP im Wahlkampf ist wenig übrig geblieben. Die Sicherheit des deutschen Exports wird jetzt als
eine Hauptaufgabe der Außenpolitik gesehen. Globale Herausforderungen wie
Klimawandel, Armutsbekämpfung, Nahrungsmittelsicherheit und
Ressourcenknappheit werden ausschließlich aus dem Blickwinkel eines möglichen
sicherheitspolitischen Risikos für Deutschland betrachtet. Beim Thema EU-Erweiterung habe sich die
Konservativen durchgesetzt: Die Verhandlungen über den Beitritt der Türkei
sollen ergebnisoffen sein. Eine Politik der offenen Tür sieht anders aus.
Aussagen über Beitrittsperspektiven anderer Länder fehlen gleich ganz. Für Afrika verspricht der Vertrag zwar ein
ressortübergreifendes Konzept. Er deutet aber nicht einmal an, wie dies
erreicht werden soll. Eine deutsche Afrika-Strategie für eine Politik aus
einem Guss auf der Grundlage ziviler Krisenprävention sucht man vergebens.
Genauso sprachlos bleibt die Koalition beim Thema Afrikanische Union. Auch
hier sagt sie nicht mit welchen Projekten sie die Afrikanische Union bei
Frieden und Entwicklung auf dem Kontinent dauerhaft unterstützen will. Schwierig ist auch das Bekenntnis zur deutschen
Verantwortung gegenüber Israel "als jüdischem Staat". Diese
Formulierung wird erst seit dem Regierungsantritt von Nethanjahu und
Liebermann in Israel benutzt, eine Formel, die ein Rückkehrrecht der Palästinenser
ausschließt, nach Liebermann sogar die Umsiedlung der arabischen Israelis
beinhaltet. Die Stärkung der Vereinten Nationen immerhin ist ein
zu begrüßends Ziel der Koalition. Eine bessere Wiederspiegelung der heutigen
politischen Machtverhältnisse in der Welt erwartet sie sich von einer Reform
des Sicherheitsrates, die noch immer einen ständigen Sitz für Deutschland
beinhalten soll. Das Fernziel eines gemeinsamen europäischen Sitzes wird
immerhin erwähnt. Baupolitik, 2. November 2009 Baupolitik ohne ökologischen Kompass Die den Bereich Bauen, Wohnen und Stadtentwicklung
betreffende Abschnitte sind über den ganzen Koalitionsvertrag verstreut.
Neben dem Hauptkapitel, in dem fast nur Unverbindliches zu lesen ist, finden
sich Aussagen zu diesem Themenfeld in den Abschnitten Naturschutz
(Ersatzzahlung, Flächenverbrauch), Recht (Mietrecht) und Energie
(Gebäudesanierung). Programm Soziale Stadt geschwächt? Im Arbeitsgruppenpapier der Baupolitiker hieß es
noch, die Mittel für das Programm Soziale Stadt sollen auf verschiedene
Ressorts aufgeteilt und das Bauressort solle nur noch koordinieren. Im
Koalitionsvertrag heißt es dazu nur noch, dass es stärker ressortübergreifend
umgesetzt werden soll. Inwieweit die alte Schwächungsabsicht damit jetzt nur in
einer neuen Formulierung daher kommt, bleibt abzuwarten. Kein wirksames Instrument gegen die Zunahme des
Flächenverbrauchs Mit der Übertragung der
Eingriffs-/Ausgleichsregelung an die Bundesländer bei Eingriffen in die Natur
soll explizit die Möglichkeit geschaffen werden, Flächeninanspruchnahme durch
Ersatzzahlungen ausgleichen zu können. Dies und die beabsichtige
Neudefinition des 30-Hektar-Flächenziels - übrigens ohne dass die 30 Hektar
bis 2020 irgendwo konkret erwähnt werden -, das sich an der "tatsächlichen
Zerschneidung oder Versiegelung von Lebensräumen orientieren soll",
werden den Flächenverbrauch ausweiten, statt ihn zu begrenzen. Dabei wird
auch der Modellversuch wenig helfen, bei dem Kommunen auf freiwilliger Basis
ein überregionales Handelssystem für die Flächennutzung erproben sollen.
Wirksame Instrumente wie eine Reform der Grundsteuer werden nicht einmal
erwähnt. Sanierungsquote bei der CO2-Gebäudesanierung
ohne Mittelerhöhung steigern? Heisst es im Abschnitt zu Energieeffizienz noch, dass
es eine kostenneutrale Vereinfachung der Förderprogramm
in der Gebäudesanierung geben soll, so steht wenige Zeilen darunter, dass man
beabsichtige, die derzeitige Sanierungsquote zu steigern. Dieses nur durch
neue Förderrichtlinien ohne zusätzliches Geld erzielen zu wollen, erscheint
unrealistisch. Die im ursprünglichen Entwurf vorgesehene Förderung von
Ersatzbauten aus den Gebäudesanierungsprogrammen ist aber wieder vom Tisch. Vermieterrechte werden zu Lasten der
Mieterrechte gestärkt Eine Steigerung der Sanierungsquote könnte
allerdings durch beabsichtige Änderungen im Mietrecht erfolgen. Das
Investor-Nutzer-Dilemma soll hier wohl zu Gunsten einer Stärkung der
Vermieterrechte angegangen werden. Vermieter sollen auch durch eine Verkürzung
der Kündigungsfristen in ihren Rechten gestärkt werden. Damit sollen die
Errungenschaften der unter Rot-Grün durchgesetzten Mietrechtsnovelle von 2001
wieder zurück gedreht werden, die die Kündigungsfristen für Vermieter an die
Dauer des Mietvertrags geknüft wurden. Damit sollte z.B. verhindert werden,
dass Älteren, die seit 30 Jahren in der gleichen Wohnung leben mit kurzer
Frist gekündigt werden kann. Die Koalition will diesen unsozialen Zustand
offensichtlich wieder herstellen. Das wird unseren entschiedenen Widerstand
hervorrufen. Fazit Ein Programm ohne Leidenschaft, das vor allem die
Sichtweise der Wirtschaft und der Hauseigentümer übernimmt. Das
30-Hektar-Ziel befindet sich ab sofort auf der Liste der bedrohten
Nachhaltigkeitsziele. Behindertenpolitik, 27. Oktober 2009 Schwarz-Gelb fehlt behindertenpolitischer
Sachverstand Union und FDP planen, einen "Aktionsplan zur
Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit
Behinderungen" zu entwickeln. Dies begrüßen wir ausdrücklich.
Entscheidend allerdings wird sein, diesen auch mit konkreten
Handlungsaufträgen zu versehen. Auch müssen die Menschen mit Behinderungen
als Expertinnen und Experten in eigener Sache beteiligt werden. Die
Gesamtschau des Koalitionsvertrages lässt für einen solchen Aktionsplan
nichts Gutes erahnen. In kaum einem Bereich finden die Belange behinderter
Menschen Berücksichtigung. Themen wie Eingliederungshilfe,
Antidiskriminierung, soziale und rechtliche Betreuung, Mobilität oder eben
ein Teilhabegesetz kommen nicht vor. Es ist zu befürchten, dass diese Themen auch in der
17. Legislatur eine untergeordnete Rolle spielen werden. Einzig das Vorhaben,
die Schnittstellen zwischen der Kinder- und Jugendhilfe sowie im Rahmen eines
neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes der Pflegeversicherung auf der einen und
der Eingliederungshilfe auf der anderen Seite anzugehen, bietet
Anknüpfungspunkte. Jetzt rächt sich, dass es weder im Lenkungskreis der
Koalitionsverhandlung noch in den jeweiligen Arbeitsgruppen eine Stimme mit
behindertenpolitischem Sachverstand gab. Anbei die Textpassage zur Politik für Menschen mit
Behinderungen aus dem Koalitionsvertrag: "Wir treten für eine tatsächliche Teilhabe von
Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben ein. Unser Ziel ist, die
Rahmenbedingungen für Menschen mit und ohne Behinderungen positiv zu
gestalten. Voraussetzung hierfür ist u. a. die Barrierefreiheit in allen
Bereichen von Schule über Ausbildung bis zum Beruf sowie von Verkehr über
Medien und Kommunikationstechnik bis hin zum Städtebau. Politische
Entscheidungen, die Menschen mit Behinderungen direkt oder indirekt
betreffen, müssen sich an den Inhalten der UN-Konvention über die Rechte der
Menschen mit Behinderungen messen lassen. Deshalb werden wir einen
Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit
Behinderungen entwickeln. Wir wollen, dass ältere Menschen und Menschen mit
Behinderungen länger und lebenswerter in ihrem gewohnten Umfeld wohnen
können. Das KfW Förderprogramm zur Versorgung mit altersgerechtem Wohnraum
wird weiterentwickelt." Bildung und Hochschule, 27. Oktober 2009 Bildungsaufbruch? Fehlanzeige! Union und FDP sind schon gescheitert, bevor sie
begonnen haben Die "Bildungsrepublik" der Kanzlerin ist
ein potemkinsches Dorf. Denn die vermeintlichen zwölf Milliarden, die
Schwarz-Gelb in den kommenden vier Jahren zusätzlich ausgeben will, erweisen
sich bei näherem Hinsehen als Luftschlösser. ·
Nicht weniger als sieben
Milliarden für die Forschungspakte stammen bereits von der Großen Koalition –
und damals wie heute ist die konkrete Finanzierungin den zukünftigen
Haushalten ungewiss. ·
Mit knapp einer Milliarde wollen
Union und FDP ein Stipendiensystem und "Zukunftskonten" auflegen –
aus unserer Sicht keine Beiträge, um die sozialen Hürden für Bildungsferne in
unserem Bildungssystem endlich abzubauen. ·
Die restlichen vier Milliarden
will die neue Koalition für drei Dutzend (!) Prüfaufträge und Forschungsanregungen
ausgeben, die sie im Koalitionsvertrag unentschlossen aneinanderreiht – eine
nachhaltige Wachstumsstrategie durch Bildung und Forschung sieht anders aus! Hinzu kommt, dass die schwarz-gelbe Steuerpolitik
nicht nur auf neue Schulden aufbaut, sondern vor allem auch tief in die
Tasche von Ländern und Kommunen greift – ihnen also genau das Geld nimmt, was
sie zum Ausbau einer guten Bildungsinfrastruktur benötigen! Die Zusammenarbeit mit den Ländern im
Bildungsbereich steht ohnehin auf ganz wackligen Beinen, weil es nämlich
dafür keine verfassungsrechtliche Grundlage mehr gibt. Das Kooperationsverbot
von Bund und Ländern in der Bildungspolitik – der Kardinalfehler der
schwarz-rot-gelben Föderalismusreform – will die neue Bundesregeriung nicht
zurücknehmen. Stattdessen schlägt sie wachsweiche
"Bildungsbündnisse" mit den Ländern vor. Der schwarz-gelbe
Bildungsaufbruch ist also erkennbar auf Sand gebaut. Union und FDP wollen Gutverdiener entlasten und
durch steuerliche Bildungsanreize die Gesellschaft im Bildungsbereich
entsolidarisieren. Denn ihre bildungspolitischen Maßnahmen werden nicht etwa
gezielt denen helfen, die es brauchen. Weder das vorgelegte Modell der
"Zukunftskonten" noch das Stipendien-Konzept hat eine soziale
Komponente. Beide fördern am stärksten diejenigen Kinder und jungen
Erwachsenen, die eh schon bildungsnah sind. Ein echter Aufbruch in der Bildungspolitik braucht
die gezielte Bildungsförderung für bisher bildungsferne Kinder, Jugendliche
und Erwachsene, um deren Potenziale zu fördern. Dazu muss u.a. das
Kooperationsverbot aufgehoben und sofort ein neues Ganztagsschulprogramm
aufgelegt werden. Die Studienfinanzierung muss stärker sozial ausgestaltet
werden. In der Weiterbildung muss der Bund endlich ein Fördergesetz vorlegen,
dass es vor allem Geringqualifizierten und Teilzeitkräften erlaubt sich
weiterzubilden. Von all dem ist im Koalitionsvertrag leider nicht die Rede. Drogenpolitik, 9. November 2009 Wofür steht die neue Koalition? Der schwarz-gelbe Koalitionsvertrag und die
Drogenpolitik Die Koalitionsvereinbarung ist drogenpolitisch
gesehen ein Rückschritt. Es gibt keine substanziellen drogenpolitischen
Vorschläge oder Initiativen, die neue Koalition bleibt im Ungefähren und
Belanglosen. Vor dem Hintergrund der vollmundigen Programmrhetorik der FDP,
Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Menschen zu schützen, ist diese
Vereinbarung ein glatter Wortbruch. Auch mit Schwarz-Gelb wird es
offensichtlich keine Umkehr in der Drogenpolitik geben. Schwarz-gelbe Drogenpolitik hat kein Ziel Es fehlt eine Zielbeschreibung. Was ist eigentlich
Ziel von Drogenpolitik? Die Durchsetzung bestimmter moralischer Vorstellungen
oder sind es eher rationale gesundheitspolitische Ziele? Die große Koalition
hatte sich immerhin auf den noch unter Rot-Grün verabschiedeten Aktionsplan
Drogen und Sucht von 2003 bezogen. Drogenpolitik braucht - auch zur
Legitimation - eine politische Zielsetzung. Nach unserer Auffassung gehört dazu die Sicherung der Selbstbestimmung und die
Verhinderung gesundheitlich problematischer Konsumformen. Konkrete Maßnahmen zur Therapieverbesserung
fehlen "Drogenabhängige sind kranke Menschen, die
umfassende Hilfe und Unterstützung brauchen", heißt es im
Koalitionsvertrag. Aber was folgt daraus für die Therapieangebote? Die
Koalition vermeidet jegliche Festlegungen, wie Finanzierung und Versorgungsqualität
verbessert werden können, wie die Selbstbestimmung Drogenabhängiger künftig
besser geschützt wird und wie Ansätze der Schadensminderung implementiert
werden sollen. Alkoholkonsum Jugendlicher: einziges Problem der
Drogenpolitik? Die neue Koalition will sich verstärkt dem riskanten
Alkoholkonsum Jugendlicher widmen. Das ist löblich. Allerdings folgt aus
dieser Aussage nicht, dass die Unterscheidung in legale und illegale Drogen
überwunden werden soll. Im übrigen sind riskante
Konsumformen bei Alkohol nicht nur ein Problem von Kindern und Jugendlichen.
Zu einer kohärenten Drogenpolitik gehörte es, alle Drogen und Suchtformen und
alle Altersgruppe in den Blick zu nehmen. Wirksame Prävention? Fehlanzeige! Die Koalition kündigt vor diesem Hintergrund an, die
bestehenden Präventionsprogramme zu überprüfen und setzt vor allem auf
Programme für Eltern. Eine Überprüfung der vorhandenen Präventionsstrategien
ist aus unserer Sicht richtig, darf sich allerdings nicht nur auf Alkohol
beziehen. Im übrigen gibt es bereits zahlreiche
wissenschaftliche Evaluationen gängiger Präventionsprogramme. Auf deren
Grundlage sollten neue Ansätze entwickelt werden. Es fehlt darüber hinaus
eine klare Aussage, wie mit den vom Drogen- und Suchtrat vorgeschlagenen
Nationalen Präventionsstrategien zu Alkohol und Tabak, die zuletzt von der
Union in der großen Koalition blockiert wurden, verfahren werden soll. Der Einbezug der Eltern in die Prävention ist im
übigen wohlfeil. Merkwürdig ist indes, dass exakt dieser Ansatz seit Jahren
von den Industrieverbänden propagiert wird. Ob das daran liegt, dass der
Nutzen dieses Ansatzes fraglich ist? Wichtiger wäre es gewesen, der Industrie
klare Regelungen vorzugeben: Stichworte Werbung und Jugendschutz. Cannabis als Medizin: Kein Thema Cannabis als wirksames Medikament bei bestimmten
Leiden ist in den vergangenen Jahren stärker in den Fokus gerückt. Im Rahmen
der bestehenden gesetzlichen Regelungen wurden durch den Druck der
Betroffenen gewisse Erleichterungen erreicht. Die Situation ist jedoch noch
immer unbefriedigend. Doch auch hierzu fehlt jegliche Aussage im
Koalitionsvertrag. Energiepolitik, 27. Oktober 2009 Energiepolitisch zurück in die Vergangenheit Statt des überfälligen Aufbruchs in eine sichere und
klimafreundliche Energieversorgung setzt Schwarz-Gelb bei der Lösung der
Energiefrage auf die Energiekonzerne und damit auf Atom und Kohle. Effizienz
und Erneuerbare spielen nur nachrangig eine Rolle. Milliardensubventionen für Kohle und CCS Die Koalition will den Neubau von konventionellen
"hocheffizienten" Kohlekraftwerken ermöglichen und diesen auch noch
mit Einnahmen aus dem Emissionshandel fördern. Außerdem soll
"dringend" ein CCS-Gesetz verabschiedet werden. Wahrscheinlich
drohen auch eine Planbeschleunigung für den Pipeline-Bau und auch eine
stärkere Haftung des Bundes. Die "Subventionsabbaupartei" FDP hat in
den letzten Jahren immer die Abschaffung der Kohlesubventionen gefordert.
Aber genauso, wie sie unter dem damaligen FDP Wirtschaftsminister Rexroth die
Kohlesubventionen einführte, so stimmt sie nun der Fortführung der
milliardenschweren Subventionen bis 2018 zu. Ja schlimmer noch: Geplant sind
sogar über die Umsetzung der EU-Richtlinie für CCS (CO2-Abscheidung und-
Lagerung) und den Einnahmen aus dem Emissionshandel neue Subventionen für den
Neubau von Kohlekraftwerken. Neue Kohlekraftwerke sind aber nicht nur
Klimakiller, sie sind unflexibel und behindern den weiteren Ausbau der EE.
Ein CCS-Gesetzes im "Schweinsgalopp" ist
ein Schlag ins Gesicht der Initiativen vor Ort, denen vor der Wahl von der
Union große Versprechungen gemacht wurden. Bei Energieeffizienz Fehlanzeige Auf jegliche Verbindlichkeit zur Effizienzsteigerung
wird fahrlässig verzichtet. Stattdessen wird die Verantwortung auf die
Verbraucher abgewälzt. Freiwillige Maßnahmen und ein "in
Energiekompetenz gestärkter Verbraucher" sollen "enorme
Potenziale" haben. Schwarz-Gelb macht auch hier Politik für die
Energiekonzerne und verzichtet damit auf eine elementare Säule für den
Klimaschutz und wirksame Maßnahmen zur Entlastung der Verbraucher vor hohen
Energiepreisen. Entscheidende Maßnahmen, wie zum Beispiel ein
Toprunner-Gesetz, Vermeidung von Stand-by-Verlusten finden keine Erwähnung.
Wie wenig Schwarz-Gelb die Energieeffizienz wirklich ernst nimmt, zeigt das
völlige Fehlen der Kraftwärmekopplung (KWK) – dies verwundert kaum, da ja die
favorisierten Großkraftwerke auf der Basis von Kohle und Atom dafür nicht
geeignet sind. Erneuerbare Energien - Stillstand statt
Fortschritt Schwarz-Gelb bekennt sich zwar zu den erneuerbaren
Energien und will diese weiter ausbauen. Doch tatsächlich sind aller
Ausbaurhetorik zum Trotz massive Bremsen geplant. Die Erneuerbaren brauchen
keinen – wie von Schwarz-Gelb angestrebt – von der Atomwirtschaft gespeisten
Fonds, sondern das Abschalten der AKW, um neues Volumen zum weiteren
schnellen Ausbau zu erhalten. Zusätzlich geschmälert wird das Ausbauvolumen
für erneuerbare Energien durch das Bekenntnis zum Neubau von effizienten
Kohlekraftwerken. Die Koalition will die Erneuerbaren nur bis zur
Zielerfüllung der bisher schon wenig ambitionierten Ziele der Bundesregierung
fördern. Offengelassen ist, ob nach Zielerreichung die Förderung für
erneuerbare Energien eingestellt wird. Biokraftstoffe nicht nachhaltig Für die Biokraftstoffe werden Verbesserungen
angekündigt, allerdings ohne die notwendigen Anforderungen an die
Nachhaltigkeit. Die Nachhaltigkeitsanforderung von Biomasse soll bei
EU-Betrieben mit der Einhaltung der Cross-Compliance Regeln erfüllt sein.
Diese lassen die unökologische, intensive Landwirtschaft zu. Zudem heißt es,
dass bürokratische Hürden für die Zulassung von Bioziden abgebaut und
verantwortbare Potenziale der grünen Gentechnik genutzt werden sollen. Damit
sind eine weitere Vergiftung unserer Böden, Pflanzen und Gewässer, sowie die
Nutzung von gentechnisch veränderten Pflanzen zu befürchten. Mit nachhaltiger
Landwirtschaft hat dies alles nichts zu tun – weder für Lebensmittel, noch
für Biomasse. Entwicklungszusammenarbeit, 27. Oktober 2009 Minister für Entwicklungszusammenarbeit und
Abwicklung? Die Überraschung in der Entwicklungspolitik besteht
darin, dass die FDP zukünftig die Leitung des Bundesministeriums für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) übernimmt. Eine
ziemliche Ironie, dass gerade die Partei, die das Ministerium abschaffen und
in das Auswärtige Amt integrieren wollte, nunmehr im BMZ das Sagen hat. Vom neuen Minister, Dirk Niebel, dem
Arbeitsmarktexperten und Generalsekretär der FDP, ist einiges bekannt.
Kenntnisse und Einsichten der Entwicklungspolitik oder der internationalen
Politik irgendwelcher Art allerdings nicht. Ob er sein Ziel darin sieht, das
Ministerium zum Wurmfortsatz des Auswärtigen Amts zu machen oder auf eine
Eigenständigkeit der Entwicklungszusammenarbeit zu setzen, wird die Zukunft
zeigen. Auch das Verhältnis der Entwicklungszusammenarbeit zur
Außenwirtschaftspolitik wird neu definiert. Außenwirtschaftliche Interessen
werden dabei deutlich im Vordergrund stehen. Inhaltlich ist der Koalitionsvertrag in der
Entwicklungszusammenarbeit mehr Abbruch als Aufbruch. Die Herausforderung des Klimawandels für
Entwicklungsländer wird in ihrer Brisanz nicht erkannt. Statt einer
qualitativen und quantitativen Aufwertung aller Klima- und
Ressourcenprogramme in der Entwicklungszusammenarbeit, findet sich lediglich
ein "lahmes" Bekenntnis zu bestehenden Verpflichtungen. Noch düsterer sieht es beim Thema Welternährung und
ländliche Entwicklung aus. Wir Grüne fordern zehn Prozent der Mittel für die
ländliche Entwicklung einzusetzen und dabei besonders die lokale und
regionale Produktion zu fördern. Keine konkreten Hinweise, was die Koalition
hier zu tun gedenkt. Gut denkbar ist obendrein eine Verschärfung der Probleme
durch eine falsche Handelspolitik (Agrarexportsubventionen). Deutschland hat sich 2005 verpflichtet, die Mittel für
die Entwicklungsfinanzierung bis 2010 auf 0,51 Prozent und bis 2015 auf 0,7
Prozent des Bruttonationaleinkommens zu erhöhen. Nach dem Koalitionsvertrag
ist eine Umsetzung wieder offen. Die neue Regierung bekennt sich nur
wachsweich zu den internationalen Verpflichtungen, jedoch ohne zeitliche
Bindung. Der Satz "Wir werden uns dem Ziel verantwortlich im Rahmen des
Bundeshaushaltes annähern." ist sehr dehnbar. Allein mit Budgetmitteln
wird das nicht klappen. Hierfür bedarf es innovativer Finanzierungsinstrumente,
wie einer Finanztransaktionssteuer oder einer Flugticketabgabe. Davon ist
nichts im Koalitionsvertrag zu finden. Viel ist im Koalitionsvertrag die Rede von
Effektivität, Abbau von Doppelstrukturen und verbesserter Organisation.
Hierfür wäre die Gründung einer Deutschen Entwicklungsagentur notwendig.
Dadurch würde die Spaltung zwischen so genannter finanzieller und technischer
Zusammenarbeit aufgehoben. Die Koalition traut sich das offenbar nicht zu und
belässt es bei Reformen in der technischen Zusammenarbeit. Europa, 27. Oktober 2009 Unverfälschter Wettbewerb und Oettinger als
EU-Kommissar ... das ist die europapolitische Ausrichtung von
Schwarz-Gelb Insgesamt ist der Europa-Abschnitt im schwarz-gelben
Koalitionsvertrag eher liberal als konservativ geprägt. Populistische
Forderungen wie nach einer Renationalisierung (CDU) oder Referenden vor
Erweiterungen (CSU) bleiben uns daher erspart. Der "unverfälschte
Wettbewerb" und ein nationaler Ansatz in der europäischen Sozialpolitik
(FDP) leider nicht. Nix gelernt: Es gilt das Mantra vom
"unverfälschten Wettbewerb" Verworren ist die Aussage zur europäischen
Sozialpolitik "Wir sind für ein soziales Europa auf
marktwirtschaftlicher Grundlage als Ergebnis von Sozialpolitik in nationaler
Verantwortung". Soll heißen: europäische Sozialpolitik entsteht aus der
Summe der nationalen Sozialpolitiken und findet also nicht statt.
Stattdessensoll der Binnenmarkt aber "unverfälscht" funktionieren.
Also ohne lästiges umwelt- oder sozialpolitisches Beiwerk. Das passt auch zu
den Aussagen im Koalitionsvertrag zur Lissabon-Strategie - einem umfassenden
Konzept zur wirtschafts-, umwelt- und sozialpolitischen Ausrichtung der EU -
das im März 2010 erneuert werden soll. Denn unterstützt wird auch weiterhin
der Kurs von Kommissions-Präsident Barroso, nach dem gemeinsame soziale
Regelungen und Bestimmungen zur Nachhaltigkeit keine Rolle spielen sollen.
Und das passt auch zur Berufung von Günter Oettinger zum neuen deutschen
Kommissar, der auch gleich angekündigt hat, die Umweltpolitik bremsen und der
Wirtschaftspolitik Vorrang geben zu wollen. Türkei: Formelkompromiss statt starkes Signal Der inhaltlich sehr dünne Abschnitt zur Türkei ist
das Gegenteil von dem, was jetzt notwendig wäre. Die Türkei braucht ein starkes
Signal, das sie ermuntert auf ihrem Reformweg weiterzugehen – wie natürlich
auch die Türkei ihre innenpolitischen Hausaufgaben machen muss. Ein Beitritt
einer reformierten Türkei in die EU ist in unserem ureigenen Interesse. Denn
es liegt in unserem Interesse, dass die Türkei ein modernes und
demokratisches Land wird, in dem die Bürgerrechte, die Rechte der Frauen,
ethnische Minderheiten ebenso wie religiöse und weltanschauliche
Gemeinschaften respektiert werden. Genauso zentral für die EU sind die türkische
Wirtschaftskraft, ihre Bedeutung als Energiekorridor, ihre junge
demografische Struktur und auch ihre Rolle im Nahen Osten. Ein starkes Signal
an die Türkei ist auch hilfreich für die Verhandlungen zur Wiedervereinigung
auf Zypern, die sich in einer entscheidenden Phase befinden und deren Ausgang
zentral sein wird für die innere Entwicklung der EU. Doch die Klientelpolitik
der Konservativen lässt die neue Regierung das komplett ausblenden. Quo Vadis Europa? Die Europäische Union kann nicht nur verwaltet
werden. Wichtig ist eine Idee, wie sie sich weiterentwickeln soll und wo wir
noch mehr gemeinsam handeln wollen und müssen. Doch diese gibt es bei
Schwarz-Gelb offenbar nicht. Auch fehlen Aussagen dazu, wie das Projekt EU
den Menschen näher gebracht werden soll. Nach der wiederholt geringen Wahlbeteiligung bei der vergangenen Europawahl
eine drängende Frage. Fehlanzeige auch bei der Erweiterungspolitik, die
vollkommen auf die Türkei reduziert wird. Die weit fortgeschrittenen
Beitrittsverhandlungen mit Kroatien und auch die seit 2003 von allen
EU-Mitgliedstaaten fest zugesagte europäische Perspektive für die anderen
westlichen Balkanstaaten fehlen gänzlich. Familienpolitik, 27. Oktober 2009 Familienpolitik von Vorgestern Eine Reform der Ehe- und Familienförderung ist nicht
in Sicht - ganz im Gegenteil: Schwarz-Gelb will lediglich finanzielle
Wohltaten nach dem Gießkannenprinzip verteilen. Dies ist zum einen
sozialpolitisch fatal. Diese Milliarden fehlen aber auch für den notwendigen
Ausbau der Bildungsinfrastruktur! Die Erhöhung des Kinderfreibetrags nutzt vor allem
den Gut- und Höchstverdienern. Und das erhöhte Kindergeld müssen sich zum
Beispiel Hartz-IV-Bezieher voll anrechnen lassen. Kein Cent dieser Erhöhung
wird bei ihnen landen! Die 2,5 Millionen bei uns in Armut lebenden Kinder
und deren Eltern gehen beim schwarz-gelben 'Familienaufbruch' leer aus. Weder
eine realitätstaugliche Regelsatzhöhe, noch eine existenzsichernde
Kindergrundsicherung wurde auch nur in Betracht gezogen. Stattdessen verbeugt sich Schwarz-Gelb vor den
Konservativen: Das Ehegattensplitting - das allein die althergebrachte
Alleinverdiener-Ehe privilegiert – bleibt unangetastet. Zudem fiel die FDP
beim Betreuungsgeld um: zwei Milliarden Euro will Schwarz-Gelb jährlich dafür
ausgeben, damit Kinder NICHT in die Kita geschickt werden, sondern Zuhause
bleiben – was für ein familien- und bildungspolitischer Irrsinn. Ohnehin enthält der Koalitionsvertrag im Hinblick
auf die vielbeschworene Steigerung der Kitaqualität nur völlig unverbindliche
Allgemeinplätze und hilflose Appelle an die Bundesländer. Aber, wenn
Schwarz-Gelb – um die unseriösen Steuerversprechen der FDP zu finanzieren –
so tief in die Taschen der Länder greift, wie geplant, dann muss man sich
nicht wundern, wenn den Ländern dann das Geld fehlt, für den Ausbau einer
qualitativ hochwertigen Kinderbetreuung. Jugendliche waren schon immer die Stiefkinder in
Frau von der Leyens Politik. Auch im Koalitionsvertrag werden sie nicht als
eigenständige Persönlichkeiten begriffen, deren Entwicklung es gezielt zu
fördern gilt. Das Hauptaugenmerk liegt vor allem auf deren
Arbeitsmarkttauglichkeit - zu deren Steigerung es jedoch an konkreten
Lösungsvorschlägen mangelt. Auch in den Bereichen Jugendschutz und Prävention
gibt es lediglich Worthülsen. Konkret sind lediglich ineffektive
Verschärfungen des Jugendstrafrechts, wie zum Beispiel der Warnschussarrest. Statt der überfälligen Abschaffung der Wehrpflicht
plant schwarz-gelb nur eine Verkürzung - ein fauler Kompromiss. Die
Wehrpflicht ist ungerecht, sicherheitspolitisch überholt und verbaut
Bildungschancen junger Männer. Stattdessen brauchen wir endlich den massiven
Ausbau der Freiwilligendienste und eine Konversion des Zivildienstes! Finanzmarktpolitik, 27. Oktober 2009 Nebel statt Klarheit. Die schwarz-gelbe
Finanzmarktpolitik Mit politischen Vereinbarungen ist es oft so:
Interessanter ist das, was fehlt, als das, was drin steht. So geht es uns
Grünen gerade mit dem Kapitel Finanzmarktpolitik im schwarz-gelben
Koalitionsvertrag. Zwar ist dort wortreich vieles zu Stabilität, Kontrolle
oder Verantwortung zu lesen, was genau damit gemeint ist, bleibt aber so
nebulös wie das gegenwärtige Herbstwetter. Wie so oft, steckt der Teufel im Detail. Zwar will
die Koalition mehr Eigenkapital von den Banken fordern, damit die Institute
im Fall von Verlusten über ein Sicherheitspolster verfügen. Wie sich das
Merkel und Westerwelle aber genau vorstellen, bleibt unklar. Wird es dann doch mal konkret, beispielsweise beim
Verbraucherschutz auf Finanzmärkten, flüchtet sich Schwarz-Gelb in Prüfaufträge.
Ein beliebtes Mittel, um Entscheidungen zu vertagen – womöglich auf den Sankt
Nimmerleinstag. Fest steht jedoch: Die Bankenaufsicht soll in
Zukunft bei der Bundesbank gebündelt werden, die Aufsicht über die
Versicherungen bleibt bei der BaFin. Die sinnvolle Idee einer gemeinsamen
Aufsicht für alle Finanzbereiche wird von Union und FDP damit aufgegeben.
Ebenso wichtig wie die Struktur ist die Ausstattung der Bankenaufsicht und
damit die Bezahlung und Anzahl der MitarbeiterInnen. Denn diese werden heutzutage
oft von den Banken abgeworben mit Gehaltsversprechen, bei denen der
öffentliche Dienst nicht mithalten kann. Auch hier hat Schwarz-Gelb die
Chance verpasst, wirklich etwas für die Qualität der Finanzaufsicht zu tun. Was alles fehlt? Die maroden Landesbanken sind aktuell die größte
Gefahr für den deutschen Finanzplatz. Union und FDP erklären in keiner Zeile
des Koalitionsvertrags, wie sie sich die Zukunft der Landesinstitute
vorstellen. Der FDP war die Bankenverstaatlichung immer ein
Graus. Wie sie Commerzbank und Hypo Real Estate aber wieder privatisieren
will, dazu findet sich nichts. Klar ist eins: Die Bankenrettung wird teuer. Schon
jetzt sind weit über 20 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt geflossen,
weitere werden folgen. Wie die finanziert werden sollen und ob nicht die
Finanzbranche auch ihren Teil dazu beitragen soll, dazu schweigt sich
Schwarz-Gelb aus. Und warum? Weil sie ihre Klientel in den Bankentürmen
schonen wollen. So geht's besser! Wir Grüne werden uns in den kommenden Jahren für
eine bessere Finanzmarktpolitik einsetzen. Wir stehen für einen sparsamen
Umgang mit Rettungsmilliarden. Wir wollen, dass die Banken für die Stabilität
des Systems auch bezahlen, dass die Aufsicht verstärkt wird, Bonus-Zahlungen reguliert und VerbraucherInnen effektiv vor schlechten
Finanzprodukten geschützt werden. Skandale werden wir aufdecken, wie uns das
bei der Hypo Real Estate und dem desaströsen Rettungsmanagement der damaligen
Bundesregierung gelungen ist. Frauenpolitik, 26. Oktober 2009 Schwarz-Gelb und die Gleichstellung Dieser Koalitionsvertrag enthält keine Vorstellungen
über aktive Gleichstellungspolitik. Vielleicht war die Immer-noch-Ministerin
von der Leyen schon zu sehr auf einen neuen Job im Gesundheitsministerium
fixiert. Oder sie hat inzwischen an diesem Teil ihres Ministeriums überhaupt
kein Interesse mehr. Jedenfalls steht zur
Gleichstellungspolitik kaum etwas drin und konkrete Projekte schon gar nicht.
Wenn das Problem gar zu groß ist, wird auf eine wolkige Formulierung wie zum
Beispiel "... müssen wir uns mal genauer ansehen" zurückgegriffen.
Klare Schritte benennt Schwarz-Gelb nicht. So heißt es im recht dürren Unterkapitel
Gleichstellung: "Wir wollen bestehende Benachteiligungen in Arbeitswelt,
Politik und Gesellschaft beseitigen." Das ist gut. Allerdings verlieren
die Koalitionäre kein Wort darüber, welche Benachteiligungen wie beseitigt
werden sollen. Stattdessen wird ein "Rahmenplan zur gleichberechtigten
Teilhabe von Frauen und Männern in allen Phasen des Lebensverlaufs"
angekündigt. "Rahmenplan", das hört sich bedeutend freundlicher an
als die eigentlich dringend erforderlichen gesetzlichen Maßnahmen. Die Entgeltungleichheit soll überwunden werden,
indem "das Prinzip "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" für
Frauen und Männer umgesetzt wird. Einig sind sich die Fachleute aber schon
lange, dass vor allem die Eingruppierungen überprüft werden müssen, denn vor
allem wird ungleicher Lohn für gleichwertige Arbeit gezahlt. Stattdessen wird
auf das schon seit Monaten vom Ministerium angepriesene "beratungsunterstützte
Lohntestverfahren Logib-D" verwiesen, damit sollen dann die
Entgeltunterschiede und dann deren Ursachen festgestellt werden, dann soll
wieder bilanziert werden. Und so gehen die Jahre ins Land und Deutschland
wird seinen beschämenden hinteren Platz in Sachen Entgeltungleichheit
behalten. Immerhin soll eine "eigenständige Jungen- und
Männerpolitik" entwickelt werden. Auch wenn die Koalitionäre das Wort
Gender nicht verwenden, scheint grundsätzlich etwas bei ihnen angekommen zu
sein. Allerdings ist auch hier wieder Fehlanzeige bei konkreten Projekten. Interessanter ist fast, was alles in diesem Vertrag
nicht erwähnt wird. kein Mindestlohn, der vor allem
Frauen zu gute käme. Die meisten Kapitel wie die zu Pflege, zu Gesundheit,
zur Entwicklungszusammenarbeit – kommen ganz ohne einen Blick auf die
unterschiedliche Situation der Geschlechter aus. Gender Mainstreaming –
Fehlanzeige. Fazit: Für die Frauen wird sich nur trotz, nicht
wegen, dieser Regierung in den nächsten Jahren etwas verbessern. Friedens- und Sicherheitspolitik, 27. Oktober
2009 Kein Frieden mit dieser Sicherheitspolitik Zu viel Rüstung und Militär - zu wenig zivile
Krisenprävention In der Friedens- und Sicherheitspolitik verteilt der
Koalitionsvertrag wenig Licht und viel Schatten. Die Durchsetzung nationaler
Interessen ist zum Leitmotiv deutscher Sicherheitspolitik geworden.
Gemeinsame Sicherheit und kollektive Friedenssicherung im Rahmen der
Vereinten Nationen (VN) haben an Bedeutung verloren. Insgesamt ist von A bis Z kein friedenspolitischer
Aufbruch zu erkennen: Abrüstung Nachdem fast alle Atomwaffen aus Deutschland
verschwunden sind und der US-Präsident vehement für weitere nukleare
Abrüstung wirbt, möchte sich die Merkel-Regierung für den Abzug der
Atomwaffen aus Deutschland einsetzen. Das reicht aber für eine
Entnuklearisierung und Entmilitarisierung der Sicherheitspolitik bei weitem
nicht aus. Von einem Verzicht auf die nukleare Teilhabe der Bundeswehr ist
ebenso wenig die Rede wie von einer weiteren Reduzierung der Bundeswehr, der
Rüstung und Rüstungsausgaben in Deutschland. Unsinnige oder
überdimensionierte Rüstungsprojekte wie das Raketenabwehrsystem MEADS werden
nicht in Frage gestellt. Der Eurofighter soll sogar explizit exportiert
werden. Afghanistan Zwar soll die ressortübergreifende Koordination der
Afghanistanpolitik verbessert werden, aber es ist nicht erkennbar, dass man
mit einer substanziellen Aufbauoffensive das Blatt in Afghanistan wenden und
einen erfolgreichen Abzug einleiten möchte. Man kündigt mit dem Ausbau der
Polizei das an, was man seit Jahren ankündigt und dann nicht oder in völlig
unzureichender Weise umsetzt. Auslandseinsätze Es wird deutlich, dass die deutschen Beiträge zur
internationalen Friedenssicherung unter dem Dach der VN reduziert werden
sollen. Auslandseinsätze sollen künftig vor allem der Absicherung
ökonomischer und bündnispolitischer Interessen dienen. Die Rechte des
Parlaments bei der Kontrolle von Auslandseinsätzen will man einschränken. Bundeswehr Die Beibehaltung der Wehrpflicht und das Festhalten
am Bundeswehrumfang passen mit der Haushaltswirklichkeit nicht zusammen. Die
weitere Anpassung und Verkleinerung der Bundeswehr, einschließlich der
Abschaffung der Wehrpflicht, sind überfällig. Schwarz-Gelb verweigert sich
dieser Transformation. Durch die Ausgliederung der Kosten der
Auslandseinsätze in den Einzelplan 60 soll ein militärischer Schattenhaushalt
errichtet werden. NATO – EU – euroatlantische Sicherheit Die Bundesregierung beansprucht eine gestaltende
Rolle in den Bündnissen und internationalen Organisationen, glänzt aber nur
mit Phrasen. In einer Phase, wo die NATO über ein neues strategisches Konzept
diskutiert und die Einbindung Russlands in die euroatlantische
Sicherheitsarchitektur noch ungeklärt ist, dokumentiert die Bundesregierung
in nichtssagenden Sprechblasen ihre Konzeptionslosigkeit. Zivile Krisenprävention Vernetzte Sicherheit bleibt ein leeres Wort. Vom
Ausbau der Infrastruktur und der Weiterentwicklung des Aktionsplans zur
"Zivilen Krisenprävention, Konfliktlösung und
Friedenskonsolidierung" ist im Koalitionsvertrag keine Rede. Mit
Ausnahme der Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Einsatz von
Polizeikräften gibt es keine Bemühungen, die zivilen Handlungsfähigkeiten
auszubauen. Initiativen zur Einbindung zivilgesellschaftlicher Akteure oder
Aktivitäten im Rahmen der EU, OSZE und Vereinten Nationen zur Stärkung der
Friedensfähigkeiten sind nicht geplant. Gentechnik, 27. Oktober 2009 Stramm auf Pro-Gentechnik-Kurs Schwarz-Gelb will sich für den Durchmarsch der
Agro-Gentechnik sowohl in Deutschland als auch auf EU-Ebene in Brüssel
einsetzen - zu Gunsten der Gentechnik- und Wirtschaftslobby, zu Lasten von
Umwelt- und Verbraucherinteressen sowie der gentechnikfrei wirtschaftenden Betriebe. Konkret will die schwarz-gelbe Koalition unter
anderem 1. den Anbau von Gentech-Pflanzen in Deutschland befördern.
Statt sich für ein langfristiges Anbauverbot von MON810-Mais einzusetzen,
will die neue Koalition das Gericht darüber entscheiden lassen. Und sie will
die kommerzielle Nutzung der umstrittenen gentechnisch veränderten
BASF-Kartoffel Amflora forcieren und de facto so Deutschland zum
"Amflora-Musterländle" ausbauen – obwohl Amflora aus gutem Grund
keine EU-rechtliche Anbauzulassung hat. 2. die im EU-Recht verankerte Nulltoleranz für nicht-zugelassene
Gentech-Konstrukte in Lebens- und Futtermitteln im nationalen Alleingang
unterwandern. Hierzu will sie das Gentechnik-Gesetz und das
EG-Gentechnikdurchführungsgesetz (das u. a. die Gen-Kennzeichnung und die
"ohne Gentechnik"-Kennzeichnung national regelt) verändern. Umwelt-
und Verbraucherverbände befürchten zu Recht, dass dabei nicht nur die
Nulltoleranz aufgehoben wird, sondern weitere Verschlechterungen im deutschen
Gentechnikrecht geplant sind. 3. unter dem Label "mehr Wissenschaftlichkeit" das
Zulassungsverfahren für neue Gentech-Pflanzen und Lebens-/Futtermittel in
Brüssel beschleunigen. Gemeint ist damit wissenschaftliche Einäugigkeit.
Schon jetzt berücksichtigen die Experten in den nationalen und EU-Behörden
(fast) ausschließlich Studien der Agro-Gentechnik-Betreiber, die behaupten,
es gäbe keine Risiken. Andere unabhängige Studien werden als
unwissenschaftlich diskreditiert. 4. Gentechnik-Lobbyorganisationen
wie den BioökonomieRat mit Steuergeldern finanzieren und deren Vorschläge
umsetzen. Im BioökonomieRat sitzen die Vertreter der Industrie (u. a. BASF,
DowAgro Sciences u. a.) und Forschung, die als Gentechnik-Befürworter bekannt
sind. Salopp gesagt: Gentech-Lobbyisten sagen, sie wollen mehr Geld und
gentechnikfreundliche Gesetze – und werden schon allein für das Aufschreiben
ihrer Wünsche vom BMBF mit öffentlichen Geldern finanziert. Vertreter aus dem
Öko-Landbau oder mit Umweltexpertise sind natürlich im BioökonomieRat nicht
zu finden. Wir Grüne werden diesen Plänen gemeinsam mit Umwelt-
und Verbraucherverbänden sowie gentechnikfrei produzierenden Landwirten
unseren kraftvollen Widerstand entgegensetzen. Denn wir vertreten die
Interessen der Mehrheit, die aus gutem Grund keine Agrogentechik auf dem
Teller und auf dem Acker will! Gesundheit, 27. Oktober 2009 Die Kopfpauschale ist zurück Entsolidarisierung im Gesundheitswesen Vier Jahre nachdem die Union wegen ihr den
Bundestagswahlkampf 2005 fast verloren hätte, ist die Kopfpauschale zurück.
Schwarz-Gelb will die einkommensabhängigen
Versichertenbeiträge durch einkommensunabhängige Pauschalen ersetzen. Den
Beitragsanteil der Arbeitgeber will sie bei 7,0 Prozent einfrieren.
VerliererInnen sind die Versicherten. Geht es nach Schwarz-Gelb, werden sie
die Kosten des medizinischen Fortschritts und des demografischen Wandels
künftig alleine bezahlen müssen. Zwar sollen GeringverdienerInnen einen
Zuschuss erhalten können. Doch wie der angesichts der Rekordverschuldung
bezahlt werden soll, weiß noch niemand. Zusatzbeiträge schon im nächsten Jahr Als Termin für die Scharfschaltung des neuen
Finanzierungssystems wird 2011 angepeilt. Aber schon im kommenden Jahr sollen
die Versicherten langsam an steigende Belastungen gewöhnt werden. Das zu
erwartende 7,5-Milliarden-Euro-Defizit des Gesundheitsfonds will man nur
teilweise mit Steuermitteln ausgleichen. Die Rede ist von rund 4 Milliarden
Euro. Das verbleibende Finanzloch von über 3 Milliarden Euro sollen die
Versicherten über Zusatzbeiträge stopfen. Auf der Finanzierungsseite der gesetzlichen
Krankenversicherung (GKV) plant Schwarz-Gelb einen grundlegenden
Systemwechsel. Dagegen will man bei den Strukturen alles beim Alten lassen.
Klientelpflege wird groß geschrieben. Den ÄrztInnen und ZahnärztInnen werden
goldene Berge versprochen. Die ApothekerInnen sollen auch weiterhin vor
Wettbewerb geschützt werden. Bei den Kosten-Nutzen-Bewertungen für neue
Arzneimittel will man die Pharmaindustrie frühzeitig beteiligen. Als
Wahlgewinnerin darf sich auch die Private Krankenversicherung (PKV) fühlen. Die
Freiheit von GutverdienerInnen, sich nicht am Solidarausgleich beteiligen zu
müssen, soll erhalten bleiben. Demontage der GKV Bei den Verhandlungen haben die FDP und der
Wirtschaftsflügel der CDU über Bande gespielt. Die weitgehende Entlassung der
Arbeitgeber aus der solidarischen Finanzierung, die Auslagerung des
Solidarausgleichs aus der GKV und die Stärkung der PKV standen auf beider
Agenda weit oben. Dazu passt auch, dass Schwarz-Gelb prüfen will, ob sich das
vom Zahnersatz bekannte Festzuschusssystem auf andere Leistungsbereiche
übertragen lässt. Das liefe auf die von der FDP seit langem geforderte
Basisversorgung hinaus. Alle darüber hinaus gehenden Leistungen müssten die
PatientInnen dann aus eigener Tasche oder über Zusatzversicherungen bezahlen. Haushaltspolitik, 26. Oktober 2009 Schwarz-Gelbe Klientelpolitik Kaum an der Macht verraten Union und FDP ihre
geschwätzigen Haushaltsgrundsätze von gestern. Nur aufgrund des riesigen Proteststurms aus
Wissenschaft, Medien und nicht zuletzt auch von uns Grünen haben sich Union
und FDP von ihren Plänen für einen Schattenhaushalt in 2009 verabschiedet.
Für den Haushalt 2010 allerdings kündigen die Koalitionäre ein solches
Sondervermögen an, wohl wissend, dass nach den Regelungen der Schuldenbremse
die Chance zur Verschleierung von Geld in Sondervermögen und
Schattenhaushalten letztmalig 2010 eröffnet wird. Die Einrichtung eines
Sondervermögens in 2010 verstößt gegen sämtliche allgemein geltenden
Haushaltsgrundsätze. Zentrale Grundsätze wie Transparenz und Ehrlichkeit,
Klarheit und Wahrheit würden sträflich unterhöhlt. Die Bürgerinnen und Bürger
können so den ohnehin schon komplizierten Haushalt nicht mehr lesen, geschweige
denn verstehen. Auf Kosten der nächsten Generation, die diese Lasten
schließlich abzufinanzieren hat, werden so Spielräume für Steuersenkung und
Beitragsstabilität vorgetäuscht, die offensichtlich nicht vorhanden sind.
Allein die neuen Steuersenkungen sollen bei voller Jahreswirkung in 2013 24
Milliarden Euro kosten. Vor dem Hintergrund der Kassenlage des
Bundeshaushalts mit einer Neuverschuldung von bis zu 455 Milliarden Euro bis
2013 (ohne die bis zu 80 Milliarden Euro großen Löcher in den Sozialversicherungen)
ist dies völlig verantwortungslos. Dass das gesamte Finanzgebaren der neuen Koalition
eine waghalsige Wette auf die Zukunft darstellt, dokumentieren sie selbst am
Besten: "Wir gehen davon aus, dass die in diesem Koalitionsvertrag
vereinbarte Politik zu einer spürbaren Steigerung des wirtschaftlichen
Wachstums führt.". Mit diesen Plänen wird offensichtlich, dass Union
und FDP ihren gesamten Wahlkampf auf die Lüge aufgebaut haben, sowohl den
Haushalt zu konsolidieren, als auch die Steuern zu senken und gleichzeitig
die Beitragssätze der Sozialversicherungen stabil zu halten. *
Innenpolitik, 26. Oktober 2009 Kümmerlicher Kompromiss ohne politische
Orientierung Der von der FDP angekündigte neue Schwung in der
Bürgerrechtsarbeit findet nicht einmal als laues Lüftchen statt. Zurück
gedreht wird keine der Gesetzesverschärfungen der vergangenen Legislatur.
Weder im Verfassungsschutz- noch im BKA-Gesetz findet ein ernsthafter Rückbau
von Zuständigkeiten statt. Es bleibt dabei, dass auch unter Schwarz-Gelb das
BKA – vorbei an den föderalen Strukturen – zum deutschen FBI ausgebaut wird. Um das Einknicken der FDP in der Sache zu
verschleiern, behilft sich die neue Koalition mit einer Unzahl von
Evaluierungsklauseln, zum Beispiel bei der Telefonüberwachung und bei den
Zuständigkeiten der Sicherheitsbehörden in Bund und Ländern. Dabei hat die
FDP in ihrem Eifer aber vergessen festzulegen, dass diese Beurteilung und
Bewertung von einem unabhängigen Gremium durchgeführt werden muss. Enttäuschend ist der faule Kompromiss bei der
Vorratsdatenspeicherung.
Hier bleibt alles beim Alten. Obwohl die neue Justizministerin
selbst Klägerin gegen dieses Gesetz ist, soll weiter gespeichert und im
Übrigen auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts gewartet werden. Nur der
Zugriff wird auf die Abwehr einer konkreten Gefahr für Leib, Leben und
Freiheit beschränkt. Unverantwortlich sind die Regelungen zum
Waffenrecht. Statt entschlossen mehr Sicherheit durch weniger Waffen in
privater Hand zu bewirken, will die FDP hier zu Gunsten der Waffenlobby
überprüfen, ob die leichten Verschärfungen bezüglich der sicheren
Aufbewahrung aus dem letzten Jahr für die Waffenbesitzer eine zu große
Zumutung bedeutet haben. Auch das öffentlich mit viel Getöse angekündigt
Moratorium bei der Internetsperre gehört zu Kategorie Merkposten ohne
inhaltliche Substanz. Der Koalitionsvertrag gibt dem Löschen den Vorzug vor
der Sperre – das aber sieht auch das jetzige Gesetz bereits vor. Dennoch: Die
Sperren werden für ein Jahr
zunächst ganz ausgesetzt. Verhandlungserfolge sehen anders aus. Höchst unkonkret sind auch die Vereinbarungen zum
Datenschutz. Während das Wahlprogramm noch den Datenschutz ins Grundgesetz
forderte, fehlt im Koalitionsvertrag sogar ein verbindliches Bekenntnis zur
grundlegenden Überarbeitung des Bundesdatenschutzgesetzes. Die Koalition wird
sich daran messen lassen müssen, ob ihre Ankündigungen für den verbesserten
Datenschutz von Arbeitnehmern, Realität werden oder durch den Druck der
Wirtschaftslobby auf kleinster Flamme gekocht werden. Bei der Informationsfreiheit findet sich lediglich
ein Bekenntnis dafür
die verschiedenen Gesetze zusammenzufassen. Von einer
verstärkten Öffnung der Verwaltungen und einem Abbau von Hürden ist nicht die
Rede. Hier droht sogar ein Abbau bestehender Rechte im Sinne von mehr
Verschwiegenheit statt mehr Demokratie Mehr Demokratie ist Schwarz-Gelb keine Silbe wert.
Die Union blockiert nach wie vor Volksinitiativen, Volksbegehren und
Volksentscheide. Das bleibt alles beim Alten und die FDP steht mit leeren
Händen da. Integration, Migration, Flüchtlingsschutz, 27.
Oktober 2009 Koalition lässt Zugewanderte und Flüchtlinge im
Stich Dem eigenen Anspruch von Schwarz-Gelb, "klar
definierte und überprüfbare Ziele" für die Integrationspolitik
festzulegen, wird der Koalitionsvertrag in keiner Weise gerecht. Das
Prestigeprojekt der Integrationsbeauftragten – der Nationale Integrationsplan
(NIP) – soll wie so Vieles auf unbestimmte Weise weiterentwickelt werden. Das
ist ein deutliches Eingeständnis des bisherigen Versagens von Frau Böhmer. Wenig Konkretes im Bereich Integration Das neue Spielzeug der Koalition heißt
Integrationsvertrag. Wozu es diesen geben und wer für die "Festlegung
der notwendigen Integrationsmaßnahmen und deren kontinuierliche Prüfung"
zuständig sein soll, bleibt offen. Beim Ehegattennachzug werden die Maßnahmen
wohl auch künftig mit dem Erlernen der deutschen Sprache im Heimatland
beginnen. Von einer Härtefallklausel ist hier keine Rede mehr. Bei den
Integrationskursen sollen weder die maximale Gesamtstundenzahl noch die
Vergütung der Integrationskursträger erhöht werden. Beides wäre dringend
erforderlich gewesen, aber hier hätte man in der Integrationspolitik tatsächlich
Geld in die Hand nehmen müssen. Gesellschaftliche Teilhabe von Migrantinnen und
Migranten – Fehlanzeige Die neue Koalition sagt "Ja" zu mehr
Pflichten für Ausländerinnen und Ausländern und "Nein" zu deren
Rechten. Man sucht im Koalitionsvertrag vergeblich nach einer zunächst
diskutierten erleichterten Einbürgerung und findet auch kein kommunales
Ausländerwahlrecht. Auch der Optionszwang, nach dem hier geborene
Ausländerinnen und Ausländer sich nach dem 18. Geburtstag zwischen der
deutschen Staatsangehörigkeit und derjenigen ihrer Eltern entscheiden müssen,
bleibt und soll lediglich überprüft werden. Von einer liberalen Handschrift
kann nicht die Rede sein. Schwarz-Gelb will "die Anstrengungen zur
Verhinderung von Scheinehen" intensivieren und deshalb die Verlängerung
Ehebestandszeit zur Erlangung eines eigenständigen Aufenthaltstitels von zwei
auf drei Jahre prüfen. Damit werden binationale Ehen abermals unter
Generalverdacht gestellt. Das ist skandalös! Nichts Neues bei der Arbeitsmigration Das Leib-und-Magen-Thema der FDP
"Arbeitsmigration" scheint beim Koalitionspartner wenig Zustimmung
gefunden zu haben. Vor allem über den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt von
ausländischen Hochqualifizierten und Fachkräften wird nachgedacht. Die
"klaren und transparenten Kriterien" hierfür müssen wohl noch
entwickelt werden. Dies ist keine ganzheitliche Reform der
Zuwanderungssteuerung. Ein durchdachtes Konzept wie zum Beispiel ein
Punktesystem sieht anders aus. Leerstelle Flüchtlingsschutz Aussagen zur Verbesserung des Asylverfahrens und den
Aufenthaltsbedingungen für Flüchtlinge gibt es keine. Die Residenzpflicht für
Asylbewerberinnen und Asylbewerber wird lediglich zur Arbeitsaufnahme
gelockert, eine Abschaffung – wie zuvor von der FDP gefordert – ist das
nicht. Lediglich evaluiert werden das diskriminierende
Asylbewerberleistungsgesetz und die Abschiebehaftbedingungen. Stattdessen
wird eine Visa-Warndatei eingeführt, die unter bestimmten Voraussetzungen
auch die Daten zu Einladern speichert. Die Bleiberechtsregelung für langjährig Geduldete
soll zwar verlängert werden – zu welchen Bedingungen, welchem Zeitpunkt und
ob als Fortführung der gesetzlichen Regelung, oder als IMK-Lösung bleibt
offen. Ebenso die Kriterien. Die Zeit drängt, denn die jetzige Regelung läuft
zum 31. Dezember 2009 aus. Dass es sich bei den Betroffenen nicht um
irgendwelche Verwaltungsvorschriften handelt, ist bei der Koalition noch
nicht angekommen. Zu europäischer Flüchtlingspolitik, wie zum Beispiel
Verantwortungsübernahme Deutschlands durch die Auflage von
Flüchtlingsaufnahme-Programmen oder die Einführung menschenrechtlicher
Standards bei FRONTEX-Einsätzen schweigt sich Schwarz-Gelb ebenfalls aus.
Dies ist eine menschenrechtliche Bankrotterklärung. Klimaschutz, 27. Oktober 2009 Luftbuchungen und heiße Luft statt Klimaschutz Klimaschutz gibt es bei Schwarz-Gelb nur auf dem
Papier. Der Emissionshandel soll es als Mittel der Wahl richten, gleichzeitig
wird dieser aber durch Ausnahmen und Flexibilisierungen ausgehöhlt und somit
wirkungslos. Viel Prosa, aber keine Substanz In der Substanz macht Schwarz-Gelb keinen
Klimaschutz! Zwar bekennen sich die Koalitionäre zur Senkung der deutschen
Treibhausgasemissionen um minus 40 Prozent und zu dem Ziel, die Erdwärmung
auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, doch im Koalitionsvertrag finden sich
keine Maßnahmen, um diese Ziele auch zu erreichen. Der Emissionshandel wird
als "das" Instrument für den Klimaschutz favorisiert. Anstelle von
echten Emissionseinsparungen durch die deutschen Industrie und
Energiewirtschaft sollen aber vor allem flexible Instrumente wie der Clean
Development Mechanism (CDM) oder internationale Kohlenstoffmärkte treten. Darüber hinaus werden vermeintliche Belastungen der
Unternehmen durch den Emissionshandel an anderer Stelle wieder kompensiert:
zum Beispiel durch noch mehr Ausnahmen für energieintensive Unternehmen,
Einnahmen aus Emissionshandel für Neubau von Klimakillern,
Kompensationszahlungen an Unternehmen, wenn Strompreise durch Emissionshandel
steigen sollten. Es ist weiterhin zu befürchten, dass auch die Abschaffung
der Ökosteuer wieder auf die politische Agenda kommt, denn die Koalition hat
sich vorgenommen, vermeintliche Mehrfachbelastungen der gewerblichen
Energieverbraucher durch eine bessere Abstimmung der energie- und
klimapolitischen Instrumente zu vermeiden. Statt Klimaschutz - Schutz der Konzernprofite Mit anderen Worten: Klimaschutz durch Luftbuchungen,
ein 40-Prozent-Ziel wird - wenn überhaupt - so wohl nur auf dem Papier
erreicht. Tatsächlich aber bleibt nicht nur die klimaschädliche Produktion
weitgehend unverändert, sie wird nach den Vorstellungen von Schwarz-Gelb
sogar noch mit Einnahmen aus dem Emissionshandel belohnt, indem Beihilfen den
Energieverbrauch weiter verbilligen sollen. Der Koalition, insbesondere der
FDP, geht es überhaupt nicht um Klimaschutz, sondern um Schutz der Industrie
und Energiewirtschaft vor ambitionierten Klimaanforderungen und um die
Sicherung der Konzernprofite auf Kosten des Klimas und der Allgemeinheit.
Internationale Gerechtigkeit ist für die Koalition keine relevante Kategorie. Kommunen, 28. Oktober 2009 Städte und Gemeinden werden geschwächt Mitten in der Wirtschaftskrise schwächt die neue
schwarz-gelbe Koalition die Städte und Gemeinden durch zusätzliche
Steuerausfälle. Den Applaus für die versprochenen Steuersenkungen bei der
Einkommenssteuer und den Unternehmenssteuern fordert der Bund für sich allein
– die Kosten landen zu einem großen Teil bei den Ländern und Gemeinden. Die
Steuerentlastungspläne der Koalition werden bei den Kommunen voraussichtlich
mit bis zu 3,6 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Dabei sieht es allein schon
wegen der Wirtschaftskrise nicht gut für die Kommunen aus: Der Deutsche
Städtetag geht noch in diesem Jahr von einem Einbruch bei den
Kommunalfinanzen von zehn Milliarden Euro aus. Im nächsten Jahr werden noch
höhere Einbußen bei der Gewerbe- und Einkommenssteuer und durch höhere
Sozialausgaben erwartet. Diesen fatalen Trend verstärkt die Koalition durch
Steuererleichterungen. Von einer verlässlichen und aufgabengerechten
Finanzausstattung für Kommunen ist in diesem Koalitionsvertrag nichts zu
lesen: Die Koalition entdeckt zwar die Bedeutung der Kommunen und erweitert
ihr Aufgabenspektrum in den Bereichen Soziales, Bildung und Umwelt,
allerdings ohne ein Wort über die dafür notwendigen Finanzmittel zu
verlieren. Auch den kommunalen Unternehmen wird künftig ein
eisiger Wind entgegen wehen. Denn der Koalitionsvertrag ist vom längst
überholten Geist eines "Privat vor Staat" in der politischen
Tradition der 80er Jahre geprägt. Durch eine vermeintliche Gleichstellung von
kommunalen und privaten Unternehmen versucht die Koalition den gegenwärtigen
Trend der Rekommunalisierung von Versorgungsaufgaben zu stoppen. Es steht zu
befürchten, dass privaten Unternehmen noch mehr als bisher die Türen für die
Abfall- und Abwasserentsorgung geöffnet werden, ohne in gleicher Weise kommunalen
Unternehmen die Teilnahme am Wettbewerb zu ermöglichen. Die Koalition spielt
damit den Energie- und Entsorgungskonzernen in die Hände, anstatt dem gerade
in der Krise gewachsenen Wunsch der Menschen nach Versorgungssicherheit und
größerer lokaler Mitbestimmung zu respektieren. In den nächsten Jahren droht den Gemeindefinanzen
weiteres Ungemach. Bei der Gewerbesteuer konnte sich die neue Koalition
offenbar nur auf eine Kommission zur Reform der Gemeindefinanzen einigen.
Diese soll auch "prüfen", ob die Gewerbesteuer durch
Umsatzsteueranteile ersetzt wird. Die Zeche der Unternehmen zahlen dann die
Konsumentinnen und Konsumenten durch höhere Umsatzsteuerpunkte und die
Kommunen, die in diesem Verteilungskampf absehbar den Kürzeren ziehen werden.
Denn durch die Schuldenbremse werden Bund und Länder versuchen, den jetzt
noch zusätzlich forcierten Konsolidierungsdruck auf die Städte und Gemeinden
abzuwälzen. Es bleibt zu hoffen, dass die schwarz-gelben
Steuersenkungspläne am Widerstand der Länder im Bundesrat scheitern. Sonst droht den Menschen in manch einer Stadt oder Gemeinde eine
neue Welle der Privatisierung von bisher kommunalen Aufgaben und die
Schließung von Bibliotheken, Schwimmbädern und Kultureinrichtungen. Ländliche Räume, 27. Oktober 2009 Nichts als Lippenbekenntnisse Schwarz-Gelb hat keinen Plan für den ländlichen Raum Politik für den ländlichen Raum ist für Union und
FDP vor allem ein Synonym für Agrarpolitik. Kein Wunder also, dass die
Weiterentwicklung der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur
und des Küstenschutzes (GAK) zu einer Gemeinschaftsaufgabe für den ländlichen
Raum im Koalitionsvertrag keine Erwähnung mehr findet. Anstatt die GAK endlich zu einem Instrument
weiterzuentwickeln, in dem sich die breiten, sektorübergreifenden
Förderansätze der europäischen ELER-Verordnung für den ländlichen Raum
widerspiegeln, wird die schwarz-gelbe Bundesregierung also an deren
Zentrierung auf die Agrarförderung festhalten. Lediglich eine bessere
Abstimmung mit der Gemeinschaftsaufgabe Regionale Wirtschaftsförderung wird
angestrebt. Auch bei der Sicherung der öffentlichen
Daseinsvorsorge im ländlichen Raum landen die Koalitionäre keinen großen
Wurf. Die schon bestehende Breitbandstrategie für eine flächendeckende
Versorgung mit einem Zugang zum schnellen Internet wird zwar bestätigt. Die
Zusage, ländliche Regionen bei der Entwicklung von dezentralen Strukturen im
Bereich der Energie- und Wasserversorgung sowie Abwasserentsorgung zu
unterstützen, steht hingegen im klaren Widerspruch zu anderen Versprechungen:
so lässt sich eine dezentrale Stromversorgung kaum verwirklichen, wenn durch
Laufzeitverlängerungen bei Atomkraftwerken und den Neubau von
Braunkohlekraftwerken eine zentrale Energieversorgung weiter vorangetrieben
wird. Lesben, Schwule und Transgender, 28. Oktober
2009 Janusköpfige Koalition. Hü und Hott für Lesben,
Schwule und Transgender Gegenüber Lesben, Schwulen und Transgender zeigt
sich die neue Koalition janusköpfig. Einerseits wollen CDU/CSU und FDP einige
der Benachteiligungen schwuler und lesbischer Paare beseitigen, die sie im
Bundesrat selbst herbeigeführt haben. Auf der anderen Seite wollen sie auf
nationaler wie auf europäischer Ebene den gesetzlichen Schutz vor
Diskriminierung abschleifen. Eingetragene Lebenspartnerschaften Die grüne Gesellschaftspolitik hat offenbar
nachhaltige Wirkung. Im Jahr 2000 hatten CDU/CSU und FDP im Bundestag noch
gegen das Gesetz zur Eingetragenen Lebenspartnerschaft gestimmt und im
Bundesrat über die schwarz-gelben Landesregierungen eine Gleichstellung im
Steuer- und Beamtenrecht verhindert. Jetzt wollen CDU, CSU und FDP
"gleichheitswidrige Benachteiligungen im Steuerrecht" abbauen. Auch
im Beamtenrecht wollen sie die Diskriminierung beenden. Wenn Schwarz-Gelb nun
die eigenen Fehler der Vergangenheit wiedergutmachen will, kann man das nur
begrüßen. Allerdings hat sich die Koalition vorbehalten, alle Versprechungen
zurückzunehmen, indem sie alle Maßnahmen des Koalitionsvertrages unter
"Finanzvorbehalt" gestellt hat. Deshalb werden wir sehr genau
darauf achten, ob die Benachteiligungen tatsächlich beseitigt werden. Nicht im Koalitionsvertrag enthalten ist das von der
FDP im Wahlkampf vehement geforderte Adoptionsrecht. Es gibt auch keine
klaren Aussagen zum Ende der finanziellen Diskriminierung von
Regenbogenfamilien. Zwar will die Koalition Förderinstrumente direkt "in
der Lebenswirklichkeit von Familien" ansetzen. Ob dies auch für Kinder
in Regenbogenfamilien gelten wird, bleibt abzuwarten. Antidiskriminierungspolitik Einen Rollback kündigt Schwarz-Gelb in der
Antidiskriminierungspolitik an. Die Koalition will das Allgemeine
Gleichbehandlungsgesetz (AGG) "im Hinblick auf einen möglichen Abbau von
Bürokratielasten überprüfen". Das lässt nichts Gutes ahnen, schließlich
haben Union wie FDP in der Vergangenheit gesetzlichen Schutz vor
Diskriminierung wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion
oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen
Identität generell als bürokratisch diffamiert. Darüber hinaus will die neue Regierung die von der
Europäischen Kommission vorgelegte 5. Antidiskriminierungsrichtlinie
ablehnen. Der neue Richtlinienvorschlag sieht vor, den bisherigen Schutz vor
Diskriminierung wegen ethnischer Herkunft im Alltags- und Wirtschaftsleben
auch auf andere Gruppen wie Lesben und Schwule auszudehnen. Die schwarz-gelbe
Koalition bekämpft damit auf EU-Ebene eine Gesetzgebung, die in Deutschland
mit dem AGG bereits in Kraft ist. Sie will also im Klartext dafür sorgen,
dass Lesben und Schwule zum Beispiel in Polen, Litauen oder Griechenland
weiterhin weniger Rechte haben als in Deutschland. Begrüßenswert ist, dass die Koalition "im Sinne
eines kollektiven Ausgleichs für homosexuelle NS-Opfer" eine
Magnus-Hirschfeld-Stiftung errichten will. Als erste Maßnahme dieser Stiftung
sollte freilich eine Entschädigung der Opfer des 175
StGB erfolgen, die auch nach 1945 nach Nazi-Recht verurteilt wurden. Das aber
haben CDU/CSU und FDP bisher im Bundestag abgelehnt. Transsexuellenrecht Sehr allgemein befasst sich der Koalitionsvertrag
mit dem Transsexuellenrecht. Den betroffenen Menschen will man "ein
freies und selbstbestimmtes Leben" ermöglichen. Dabei soll die
Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts berücksichtigt werden. Spannend
wird es, wie sich die Regierungsparteien Freiheit und Selbstbestimmung im
Bezug auf Transfrauen und –männer vorstellen. Medien- und Netzpolitik, 27. Oktober 2009 Innovativ oder freiheitlich geht anders! Schwarz-gelbe Medien- und Netzpolitik Die Passage im Koalitionsvertrag zu den sogenannten
Internetsperren täuscht Veränderungen nur vor. Das umstrittene Gesetz bleibt,
die Koalitionäre setzen lediglich die Möglichkeit Seiten zu sperren für ein
Jahr aus und geben solange dem Löschen kinderpornografischer Seiten den
Vorrang. Allerdings gibt das Gesetz schon jetzt dem Löschen den Vorzug vor
dem Sperren. Auch die Möglichkeit heimlicher
Online-Durchsuchungen bleibt bestehen – die FDP ist mit ihrer Forderung nach
Abschaffung gescheitert. Es gibt nur eine graduelle Änderung: Der Antrag auf
eine Untersuchung, der bislang beim Amtsgericht gestellt werden musste, wird
nun vom BGH entschieden. Antragsteller kann künftig nur der
Generalbundesanwalt und nicht mehr das BKA stellen. Die Vorratsdatenspeicherung, gegen die die neue
Justizministerin selbst geklagt hatte, bleibt bis zu einem Urteil aus
Karlsruhe bestehen. Bis dahin soll die Nutzung der erlangten Daten allerdings
auf schwere Gefahrensituationen – Gefahr für Leib und Leben – beschränkt
sein, eine Vorgabe, die das höchste Gericht selbst auferlegt hatte. Beim Datenschutz setzt man - ganz FDP-like – allein
auf Eigenverantwortlichkeit. Ob und was konkret zur Stärkung des
Datenschutzes im Netz getan werden soll, bleibt schwammig. E-Government will Schwarz-Gelb vor allem
sicherheitstechnisch stärken. Kein Wort zu stärkerer
E-Beteiligungsmöglichkeit, zum Beispiel im Parlament oder in den Ministerien. Ansonsten setzen Union und FDP das um, was
Presselobbyisten, die Onlinewirtschaft und die Urheberrechtsindustrie ihnen
in die Feder diktiert haben: Freie Fahrt für wirtschaftliche Effizienz und
Sicherheitsaspekte. Verbraucherschutz und Bürgerrechte kommen zu kurz. So
will die neue Koalition ein Leistungsschutzrecht speziell für Verlage
schaffen und Fusionen erleichtern. Hier soll eine Teilbranche mit Mitteln
aufgepäppelt werden, die definitiv nicht der informationellen Vielfalt zugute
kommen. Die schwarz-gelben Pläne zum Urheberrecht sind
ideenlos und konservativ. Anstatt anzuerkennen, dass die Digitalisierung und
die Downloadzahlen im Netz neue und kreative Ansätze im Urheberrecht
brauchen, geht es Union und FDP allein um die Verfolgung von
Urheberrechtsverletzungen - durch Selbstregulierung. Provider werden so –
ähnlich wie bei den Netzsperren – zu Hilfssheriffs. Ein eklatanter
Widerspruch zu der Aussage, den Providern über das Telemediengesetz endlich
Haftungserleichterungen zu schaffen. Beim Breitbandausbau darf es nicht bei
Absichtsbekundungen bleiben. Schwarz-Gelb steht unter sofortigem
Handlungsdruck, denn der schnelle und flächendeckende Zugang der Bevölkerung
(auch in dünnbesiedelten Gebieten) zum schnellen Internet muss auch in
Deutschland Normalität werden. Schon unter der großen Koalition wurde hier
viel zu viel Zeit verloren. Menschenrechte, 26. Oktober 2009 Keine Überraschungen Union und FDP sehen, das wird im Koalitionsvertrag
deutlich, Menschenrechte als rein außenpolitisches Thema. Das war zumindest
bei der FDP nicht immer so. Aber auch hier hat sie sich von der Union eines
ihrer früher so dargestellten Kernanliegen abhandeln lassen. Außenpolitisch bekennen sich Union und FDP zu den
Menschenrechten. Das ist begrüßenswert, aber auch selbstverständlich. Da
steht auf knapp einer Seite im außenpolitischen Kapitel viel Richtiges, und
auch vieles, was (leider) zu erwarten war: So wird beim Thema
Religionsfreiheit allein auf die Schutzbedürftigkeit christlicher
Minderheiten hingewiesen. In der Erwähnung regionaler oder bilateraler
Kooperationen taucht das Stichwort Menschenrechte interessanterweise nur bei
Russland auf. China, das doch von der FDP in seiner Oppositionszeit gerne als
Teufel an die Wand gemalt wurde, wird da lediglich in seiner Bedeutung hervor
gehoben und zugesichert, man werde alle Fragen in einem partnerschaftlichen
Verhältnis ansprechen. Das sind neue Töne, die ganz anders klingen als die
Aussage der FDP im Wahlkampf, sie wolle alle wirtschaftlichen Beziehungen mit
Staaten abbrechen, die die Menschenrechte verletzen. Union und FDP werden mehr tun müssen, als sie in
ihrem Koalitionsvertrag ansprechen, um eine effektive Menschenrechtspolitik
zu betreiben. Sie werden Menschenrechte als Querschnittsaufgabe auch
innenpolitisch mitdenken und umsetzen müssen. Sie werden das Thema auch
jenseits der in ihrer Klientel populären Themen besetzen müssen. Und sie
werden sich über innenpolitisch effektvolle Symbolpolitik auch mit Nachdruck
um strukturelle und institutionelle Fragen der Menschenrechtspolitik kümmern
müssen. Sonst wird die kommende Zeit der schwarz-gelben Koalition eine
verschenkte Zeit für den Menschenrechtsschutz sein. Ostdeutschland, 27. Oktober 2009 Im Osten nichts Neues Welche Rolle Ostdeutschland in der neuen
Bundesregierung spielt, zeigt die unwürdige Ressortzuordnung. Da sich außer
Angela Merkel niemand mit einer ostdeutschen Biografie im Kabinett findet,
wurde das scheinbar lästige Anhängsel "Angelegenheiten der neuen
Bundesländer" demjenigen aufgebürdet, der wenigsten eine Weile in den
neuen Ländern gelebt hat. Es war in der Vergangenheit nicht sinnvoll den
"Aufbau Ost" als Verkehrsinfrastrukturprojekt zu begreifen. Noch
sinnloser ist es, das Thema dem Innenministerium zuzuordnen. Das Thema gehört
ins Bundeskanzleramt. Nicht weil Merkel die einzige Ostdeutsche im Kabinett
ist, sondern weil die Herausforderungen Ressort übergreifend gelöst werden
müssen. In der Koalitionsvereinbarung offenbart der
Abschnitt "Deutsche Einheit" die große Distanz der neuen
Bundesregierung zum Thema Ostdeutschland. Zu den Herausforderungen in den
neuen Ländern fällt dieser Koalition überhaupt nichts ein. Kein
eigenständiger Akzent, kein neuer Ansatz, nichts! Eine Expertenkommission wird
eingerichtet. Damit erschöpft sich die Programmatik. Das Kapitel müsste
überschrieben sein: Im Osten nichts Neues! Pflegepolitik, 26. Oktober 2009 Sozial und solidarisch geht anders Pflegepolitik im schwarz-gelben
Koalitionsvertrag Schwarz-Gelb will in der Pflegefinanzierung
"eine Ergänzung durch Kapitaldeckung, die verpflichtend,
individualisiert und generationengerecht ausgestaltet sein muss"
einführen. Auch wenn die Kapitaldeckung vorerst "nur" ergänzend
sein soll, heißt das doch: Raus aus der Solidarität, rein in die
Privatisierung der Pflegeabsicherung. Die Arbeitgeber werden aus ihrer
solidarischen Mitverantwortung für die Pflege entlassen. Kennt man die
schwarzen und die gelben Konzepte der letzten Jahre, spricht zudem vieles
dafür, dass das Ganze auf eine ergänzende Kopfpauschale hinausläuft. Danach
würde die Friseurin den gleichen Beitrag zahlen wie Herr Ackermann von der
Deutschen Bank. Profiteure sind Arbeitgeber, Versicherungsindustrie und
Einkommensstarke. Die Empfehlungen des Beirats zur Überarbeitung des
Pflegebedürftigkeitsbegriffs werden überwiegend gelobt. Das konnte sogar die
neue Koalition nicht ganz ignorieren. Sie will mögliche Auswirkungen einer
Umsetzung allerdings erst einmal prüfen. Wir fürchten, dass Deutschland auf
diese dringend notwendige Strukturreform noch lange warten muss. Damit ist
auch die Chance verspielt worden, Finanz- und Strukturreform parallel
anzugehen. Schwarz-Gelb will durch mehr Transparenz bei
Leistungen, Preisen und Qualität erreichen, dass Pflegebedürftige und ihre
Angehörigen Leistungen und Leistungserbringer flexibler wählen können. Doch
die Koalition vergisst dabei, dass Verbraucherinnen und Verbraucher auch in
die Lage versetzt werden müssen, selbstbestimmt und souverän zu entscheiden.
Die Koalition unterstellt, das Pflegebdürftige das bereits können. Die
Realität zeigt jedoch, dass gerade in der Pflege Menschen auf verlässliche,
unabhängige und individuelle Beratung, Begleitung und Informationen
angewiesen sind, um selbst souverän zu werden. Zu den Pflegeberufen und den Arbeitsbedingungen in
der Pflege findet man im Koalitionsvertrag wenig. Es geht vorwiegend um
Entbürokratisierung. Das kann schnell zum Totschlagargument, zum Beispiel für
notwendige Maßnahmen des Verbraucherschutzes und der Qualitätssicherung,
werden. Zudem will die Koalition das Berufsfeld Pflege attraktiver gestalten
und die Pflegeausbildung durch ein neues Berufsgesetz modernisieren und die
Pflegeberufe zusammenführen. Wie sie das anstellen will, sagt sie nicht,
ebenso wenig, wie und ob sie dem Pflegenotstand begegnen will. Die
Pflegeberufe zusammenzuführen halten wir im Grundsatz für richtig, allerdings
kommt es sehr auf die Details an. So darf dies nicht zur
Deprofessionalisierung des Berufs oder zur Absenkung von Löhnen führen. Rechtsextremismus, 28. Oktober 2009 Rechtsextremismus nicht verharmlosen! Zum Problem Rechtsextremismus halten CDU/CSU und FDP
im Koalitionsvertrag fest: "Gewalttätige und extremistische Formen der
politischen Auseinandersetzung nehmen wir nicht hin. Extremismen jeder Art,
seien es Links- oder Rechtsextremismus, Antisemitismus oder Islamismus,
treten wir entschlossen entgegen. […] Die Ursachen von Extremismus wollen wir
mit einem langfristigen Engagement und einer nachhaltigen Prävention
bekämpfen. Aussteigerprogramme gegen Extremismus werden wir weiterentwickeln,
ihre Finanzierung sicherstellen und dabei Schwerpunkte in gefährdeten
Regionen setzen. Die Aufgabenfelder des Fonds für Opfer rechtsextremistischer
Gewalt sowie des Bündnisses für Demokratie und Toleranz sollen auf jede Form
extremistischer Gewalt ausgeweitet werden." Leider trifft die Koalition keine Aussage zur
Weiterentwicklung der Bundesprogramme "Vielfalt tut gut. Jugend für
Vielfalt, Toleranz und Demokratie" sowie "Kompetent für Demokratie
–Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus". Dabei sind hier
qualitative und quantitative Weiterentwicklungen dringend nötig. Am
wichtigsten ist die dauerhafte Finanzierung der bewährten Beratungsstrukturen
in Ost und West. Diese drohen nun endgültig den Bach hinunter zu gehen. Das
ist eine unerträgliche Situation und ein Schlag ins Gesicht all derjenigen,
die sich seit Jahren haupt- oder ehrenamtlich gegen alte und neue Nazis und
für unsere Demokratie engagieren. Stattdessen plant die Bundesregierung, die
staatlichen Initiativen gegen Neonazismus aufzuweichen und auf alle Formen
des Extremismus auszudehnen. Das Bündnis für Demokratie und Toleranz wird
aufgefordert, sich stärker allen Formen des Extremismus zu widmen. Den
Koalitionsfraktionen scheint hierbei entgangen zu sein, dass dieses Bündnis
schon seit Jahren gegen alle Formen des Extremismus arbeitet. Es mangelt
nicht an neuen Aufgaben, sondern an einer ausreichenden personellen und
finanziellen Ausstattung. Die Handlungsfähigkeit des Bündnisses ist aufgrund
chronischer Unterfinanzierung kaum noch gegeben. Die Gleichsetzung von Rechtsextremismus mit anderen
Formen des politischen Extremismus stellt eine gefährliche Bagatellisierung
der Neonazis dar. Diese sind die größte Gefahr für unsere Demokratie. Ihre
Ideologie führt zu Gewalt gegen anders Denkende, Aussehende, Lebende und
Liebende. Die Zahl der rechtsextrem motivierten Straftaten ist nicht nur
deutlich höher, die extreme Rechte nutzt Gewalt auch als systematisches
Mittel zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele. Allein im vergangenen Jahr
wurden über 20.000 rechtsextrem motivierte Straftaten zur Anzeige gebracht,
15,8 Prozent mehr als 2007. Nicht nur beim Thema "Extremismus" scheint
die Koalition auf dem rechten Auge blind. Auch bei der Aufarbeitung der
deutschen Geschichte betreibt sie eine nicht nachvollziehbare Schwerpunktsetzung:
Das DDR-Unrecht wird an vielen Stellen betont, während Holocaust und
Nationalsozialismus kaum Erwähnung finden. Rechtspolitik, 27. Oktober 2009 Eine bürgerrechtliche Enttäuschung Die FDP stellt zwar mit Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger eine anerkannte Fachpolitikerin. Sie hat aber in
den Koalitionsverhandlungen zur Rechtspolitik kaum bürgerrechtliche
Korrekturen durchgesetzt. Statt Streichungen oder handfeste Korrekturen
kritisierter Gesetze festzuschreiben hat sich die FDP von der Union mit
Evaluierungsklauseln oder Minimallösungen abspeisen lassen. Wichtigstes
Beispiel ist die Vorratsdatenspeicherung. Gegen die hatte die FDP vollmundig
angekämpft. Die Abschaffung hat sie nicht erreicht. Nun wird die Speicherung
fortgesetzt, nur der Zugriff auf die Daten wird reduziert auf Zwecke der
Gefahrenabwehr. Man wartet auf das Bundesverfassungsgericht, statt selbst zu
gestalten. So dünn geht es weiter, von der Telekommunikationsüberwachung über
die neue Kronzeugen-Regelung bis zum Terrorcamp-Strafrecht. Auch der Große Lauschangriff, dessen Einführung zum
Rücktritt der damaligen Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger führte,
wird nicht abgeschafft oder verändert. Dabei hatte die FDP die rot-grünen
Korrekturen des schwarz-gelben Gesetzes nach der Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts als unzureichend kritisiert. Das Gegenteil liberaler Handschrift zeigt sich auch
in Verschärfungen. Im Jugendstrafrecht wird die Höchststrafe bei Mord von
zehn auf 15 Jahre erhöht, und das nicht nur für Heranwachsende, auch
Jugendliche, für die 15 Jahre eine unermessliche Lebenszeit sind.
Erziehungsgedanke und Resozialisierung bleiben da Lippenbekenntnisse. Das
zeigt sich auch bei der Einführung des "Warnschussarrests" neben
der Bewährungsstrafe, der von der Fachwelt fast einhellig abgelehnt wird. Die
von der FDP kritisch beäugte Sicherungsverwahrung wird weiter ausgebaut. In der Rechtspolitik gibt es kein gemeinsames
Projekt, das die Koalitionäre verbindet. Es fehlen Konzepte und neue Ideen.
Punktuelles Klein-Klein überwiegt. Wo einzelne Gesetze geändert werden
sollen, setzt die Koalition die falschen Akzente. Kein fairer moderner
Ausgleich zwischen Nutzern und Kreativen im Urheberrecht, keine
Weiterentwicklung des Straf- und Strafprozessrechts ist zu finden. Statt dessen zeigen die Pläne soziale Unausgewogenheit wie
im Mietrecht oder bei der Prozesskosten- und Beratungshilfe.
Korruptionsbekämpfung kommt im
Koalitionsvertrag nur im Kapitel über Entwicklungszusammenarbeit vor. Ausweitung der
Strafbarkeit von Abgeordnetenbestechung, Korruptionsregister und Schutz von
Hinweisgebern - alles Fehlanzeige. Fazit: Kein Aufbruch in der Rechtspolitik, keine
Trendwende bei den Bürgerrechten. Der Koalitionsvertrag ist kein großer Wurf
- weder in der Rechtspolitik, noch sonst wo. Rente, 27. Oktober 2009 Mut zur Rentenlücke. Wer hat, dem wird gegeben Union und FDP lassen die Menschen in ihrem
Koalitionsvertrag wissen, dass sie die Augen nicht davor verschließen,
"dass durch veränderte wirtschaftliche und demographische Strukturen in
Zukunft die Gefahr einer ansteigenden Altersarmut besteht". Union und
FDP nehmen diese Versorgungslücke mutig zur Kenntnis. Einen Vorschlag, wie
diese Lücke geschlossen werden könnte, sucht man vergeblich. Die Aussagen zur Rente ergehen sich in Prüfaufträgen
und vagen Absichtserklärungen. Die Arbeit wurde in eine Regierungskommission
verschoben. Sollen private und betriebliche Vorsorge für
Geringverdiener attraktiver werden – wie es im Koalitionsvertrag verankert
wurde? Sollen private und betriebliche Renten in Zukunft nicht mehr (voll)
auf die Grundsicherung im Alter angerechnet werden – wie es die FDP immer
gefordert hat? Sollen diese Versicherten also gegenüber den Versicherten in
der gesetzlichen Rentenversicherung bevorzugt werden? Oder soll die Rentenversicherung reformiert werden?
Die schwarz-gelbe Koalition stellt eine "faire Anpassungsregel" in
Aussicht. Dürfen wir dahinter die Rentengarantie von Ex-Minister Scholz unter
neuem Namen vermuten? Auf die Regierungsbank gewechselt, nimmt nun auch die
FDP in der Rentenpolitik wieder vor allen Dingen die RentnerInnen in den
Blick. Welche Folgen ein solcher Schritt für die junge und für kommende
Generationen haben könnte, wird im Koalitionsvertrag nicht einmal
thematisiert. Statt auch hohe und höchste Renten wieder ungebremst
steigen zu lassen, sollte die neue Regierung eine Garantierente einführen und
die Grundsicherung im Alter und bei dauerhafter Erwerbsminderung auf ein
Niveau anheben, das Teilhabe tatsächlich ermöglicht. Die Koalition will in dieser Wahlperiode ein
einheitliches Rentenrecht in Ost und West erreichen. Das wurde konkret
vereinbart. Hinweise über den Weg dorthin fehlen völlig. Die FDP hat ihre
gestaltende Kraft in dieser Frage bereits in der vergangenen Wahlperiode mit
einem Vorschlag unter Beweis gestellt. Urteil der Sachverständigen: Teuer,
kompliziert, mit vielen Unsicherheiten und einem erheblichen
Verwaltungsaufwand belastet, besser nicht umsetzen. Die Koalition will zudem prüfen, ob
Erziehungsleistungen in der Rentenversicherung stärker honoriert werden
sollten. Das ist angebracht. Unseres Erachtens spricht aber viel mehr dafür,
Familien in der Phase der Kindererziehung zu entlasten: Durch bessere Bildung
und Betreuung und mehr Geld für Familien, dass auch bei allen Kindern
ankommt. Sozialpolitik, 28. Oktober 2009 Arbeitnehmer werden zur Kasse gebeten. Weniger
Netto vom Brutto. Schon heute werden Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer überdurchschnittlich zur Kasse gebeten. Ein alleinstehender
durchschnittlicher Arbeitnehmer muss schon heute mehr als 40 Prozent seines
Einkommens an den Staat abgeben. Ein alleinstehender Durchschnittsbeamter
kommt nur auf 28 Prozent, obwohl er besser verdient. Das liegt an den
Sozialversicherungsbeiträgen. Diese Schere öffnet sich in den kommenden
Jahren noch weiter. Denn die schwarz-gelbe Koalition hatte den Mut, die Arbeitnehmer
noch stärker zu belasten. Sie zahlen die Zeche. Das trifft besonders
Geringverdiener hart. Dabei wäre eine Entlastung von Sozialabgaben gerade für
Geringverdiener überfällig – wie von uns gefordert. In Deutschland haben Kinder aus armen Familien im internationalen
Vergleich einmalig schlechte Aussichten, sich aus der Armut zu befreien. Das
soll sich nach dem Willen der schwarz-gelben Koalition so schnell auch nicht
ändern: Sie hat die Einführung eines Betreuungsgeldes in Höhe von 150 Euro
für alle jene Familien beschlossen, die ihre Kinder nicht in eine
Bildungseinrichtung schicken. So sieht also der von der FDP immer geforderte
Vorrang für die frühkindliche Bildung und Chancengleichheit aus. Steuerfreibeträge nützen nur verheirateten
Gutverdienern: Das ist allgemein bekannt, hat die schwarz-gelbe Koalition
aber nicht angefochten. Nicht nur Kinder, deren Eltern Arbeitslosengeld II
beziehen, machen die Erfahrung, was es bedeutet, wenig Geld zu haben. Deshalb
muss die Ehe- und Familienförderung grundsätzlich überarbeitet werden. Wir
schlagen deshalb eine eigenständige und bedingungslose Kindergrundsicherung
für alle Kinder vor. Union und FDP streben eine Pauschalierung der
Energie- und Nebenkosten sowie der Kosten der Unterkunft für Bedürftige an.
Das "Bürgergeld" wirft seinen kalten Schatten. Die Differenz
zwischen tatsächlichen und "angemessenen" Kosten der Unterkunft
werden Bedürftige in Zukunft aus ihrem Regelsatz zahlen müssen. Dabei deckt
der Regelsatz schon heute nicht den Bedarf. Und der Regelsatz soll laut
Koalitionsvereinbarung selbstredend nicht steigen. Dabei müsste der Regelsatz
für Erwachsene schon heute bei mindestens 420 Euro liegen. Die Koalition will
damit dazu beitragen, dass die Zahl der Prozesse um die Kosten der Unterkunft
zurückgeht – indem sie soziale Bürgerrechte beschneidet. Jede Einwohnerin und jeder Einwohner dieses Landes
hat das Recht auf ein menschenwürdiges Dasein: Daran hat erst jüngst
Verfassungsgerichtspräsident Papier die Regierung erinnert. Bei Union und FDP
blieb seine Mahnung ungehört. Steuern, 27. Oktober 2009 Abzocke künftiger Generationen. Steuern runter –
Abgaben für Arbeitnehmer rauf Alle in der schwarz-gelben Koalitionsvereinbarung
verabredeten Steuersenkungen sollen auf Pump erfolgen. Bis zu 24 Milliarden
Euro soll es jährlich kosten. Finanzierungsvorschläge vermeidet die
Koalition. Explodierende Zins- und Tilgungslasten werden folgen. Familien: Die kindbezogenen Freibeträge sollen 2010
um fast 1.000 Euro steigen. Zeitgleich soll das Kindergeld um 20 Euro höher
werden. Besser verdienende Eltern bekommen also mehr als Familien mit kleinen
bis mittleren Einkommen. Außerdem wird das Wahlversprechen von 200 Euro
Kindergeld und 8.004 Euro Freibetrag klar verfehlt. Das Ehegattensplitting
bleibt unangetastet. Das ist ungerecht und unsozial. Unternehmen: Keine Strukturreform in Sicht,
stattdessen wird nachgebessert bei Zinsschranke, Verlustverrechnung und
gewerbesteuerlichen Hinzurechnungen für Immobilienmieten. Nur vage
Ankündigungen bei der Forschungsförderung und Fehlanzeige bei gezielten
Investitionsanreizen. Geringwertige Wirtschaftsgüter sollen zwar bis 410 Euro
sofort abziehbar sein, das greift aber zu kurz. Wir fordern 1.000 Euro
Sofortabzug, weil das vor allem kleinen und mittleren
Unternehmen zugute kommt. Gewerbesteuer: Die Koalition stellt die wichtigste
Finanzierungsquelle der Kommunen in Frage: Eine Kommission soll den Ersatz
der Gewerbesteuer durch einen höheren Anteil an der Umsatzsteuer und einen
kommunalen Zuschlag auf die Einkommen- und Körperschaftsteuer mit eigenem
Hebesatz prüfen. Diese Vorschläge der FDP haben die kommunalen
Spitzenverbände immer abgelehnt. Einkommensteuer: FDP und Union präsentieren die
bereits beschlossene Steuerentlastung der Vorgängerregierung als ihr
konkretes Verhandlungsergebnis. Das ist die Fortsetzung des Wahlbetrugs.
Eigene Wahlversprechen, wie der Stufentarif und eine Abflachung des
Mittelstandsbauchs, sind reine Absichtserklärungen und stehen unter
Finanzierungsvorbehalt. Außerdem: Ein Stufentarif bringt kaum Transparenz für
die Steuerzahler. Nur durch Pauschalierungen wird die Steuerbelastung
tatsächlich einfach ermittelbar. Umsatzsteuer: Ab 2010 sollen Beherbergungsleistungen
im Hotel- und Gastronomiegewerbe mit 7 Prozent ermäßigt besteuert werden.
Eine grundlegende Überarbeitung der Mehrwertsteuersätze wird aber in eine
Kommission vertagt. Tierschutz, 27. Oktober 2009 Kein Herz für Tiere Tierschutz spielt für Schwarz-Gelb keine Rolle. Die
Verantwortung für das Wohlergehen der Tiere wird auf die europäische und
internationale Ebene abgeschoben. Eine deutsche Vorreiterrolle für den
Tierschutz wird es nicht geben. In der Landwirtschaft will Schwarz-Gelb den
Tierschutz "im Einklang mit der Wirtschaftlichkeit" voranbringen –
also gar nicht. Denn was die Koalitionäre unter dieser Phrase verstehen,
zeigt sich bei der als Kleingruppenhaltung schön geredeten Käfighaltung für
Legehennen oder der Unterstützung für immer größere Mastanlagen. Damit opfert
die Koalition den Wunsch der Verbraucherinnen und Verbraucher nach
Lebensmitteln aus artgerechter Tierhaltung der Gewinnmaximierung von
Geflügelbaronen und Schweinefürsten. Verfassungsgemäßer Auftrag? Egal! Die Verantwortung für höhere Tierschutzstandards
wird auf die europäische und internationale Ebene abgeschoben. Dass
Deutschland in der Pflicht steht, die Verankerung des Tierschutzes im
Grundgesetz auch endlich im praktischen Vollzug des Tierschutzes und auf der
Rechtsebene umzusetzen, negieren Union und FDP. Immerhin kündigen die Koalitionäre an, dass sie sich
für eine weitere Begrenzung der Tiertransportzeiten in der EU stark machen
wollen. Allerdings verlieren sie kein Wort darüber, dass gerade die
Vermarktung von Lebendvieh ins nicht-europäische Ausland eine immer größere
wirtschaftliche Bedeutung für die deutsche Landwirtschaft bekommt. Zum
Beispiel werden wöchentlich gut 100.000 Schweine lebend nach Russland
transportiert - hierfür hat Schwarz-gelb natürlich
keine Beschränkungen vorgesehen. Und auch bei den Tierversuchen springt die Koalition
zu kurz: zwar will sie die Entwicklung von Ersatzmethoden fördern. Ein Schuh
wird aber erst dann daraus, wenn deren Einsatz auch verbindlich
vorgeschrieben wird. Umwelt und Naturschutz, 28. Oktober 2009 Rückschritt für Umwelt und Naturschutz Der vorliegende Koalitionsvertrag macht deutlich,
welchen geringen Stellenwert der Umwelt- und Naturschutz in der nächsten
Legislaturperiode genießen wird. Die bestehenden Schutzregelungen werden vor
allem als Hemmnis für die Lobbys aus Landwirtschaft, Wirtschaft und Verkehr
empfunden. So ist viel von Abbau bürokratischer Hemmnisse,
Planungsbeschleunigung und Zulassungsbeschleunigung die Rede.
Naturschutzprojekte, Verbesserungen im Emissionsschutz (Luft, Wasser, Boden)
oder Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt sind im Koalitionsvertrag
kaum zu finden. Wenn doch einmal Maßnahmen angesprochen werden, sollen diese
entweder nur geprüft werden oder - wie der Schutz von Wald und Meeren - vor
allen Dingen international (in der Regel in anderen Ländern) erfolgen. Es werden zwei Bundesprogramme (Biologische
Vielfalt, Wiedervernetzung) versprochen, was dies konkret bedeuten soll, wird
sich zeigen. Die Koalition will das Thema nach außen hin besetzen, aber im
eigenen Land nichts tun. Der Tenor ist: Naturschutz dort, wo es niemandem weh
tut. Festgelegt wird dies durch den Vorrang für den Vertragsnaturschutz und
der Förderung von Bildung. Klare Bekenntnisse zu anstehenden
Herausforderungen, wie zum Beispiel zum Erhalt der Artenvielfalt, fehlen
komplett. Kein Wort zur UN-Biodiversitätskonvention. Dafür möchte man sich
aber auf europäischer Ebene für ein Kormoran-Management einsetzen. Unklar
bleibt, was darunter zu verstehen ist. Die Erfahrungen aus den schwarz-gelb
regierten Ländern lässt hier nichts Gutes vermuten. Kein Modernisierungsprojekt vorhanden Was in diesem Koalitionsvertrag fehlt sind
Modernisierungsprojekte, die den Umwelt- und Naturschutz voranbringen. Die
große Koalition konnte sich nicht auf ein Umweltgesetzbuch (UGB) einigen, mit
dem das zersplitterte Umweltrecht zusammengeführt, Genehmigungsverfahren
beschleunigt und eine bessere und einfachere Rechtssetzung und somit auch ein
besserer Umweltschutz hatte ermöglicht werden können. Das Vorhaben scheiterte
bekanntlich grandios. Die Schwarz-Gelb vermeidet
einen Neuanfang. Was bleibt ist lediglich ein Prüfauftrag, an welcher Stelle
Genehmigungsverfahren einheitlich geregelt und beschleunigt werden können. Statt Naturalkompensation für Naturverbrauch nun
Ablasshandel Bereits beim UGB und später bei der Neuregelung des
Naturschutzrechtes gab es intensive Auseinandersetzungen um die
Eingriffsregelung. Bisher gilt: Wer Natur verbraucht muss diesen
Naturverbrauch ersetzen. Dies ist bundeseinheitlich und abweichungsfest
geregelt. Nun wollen schwarz-gelben Koalitonäre es
den Ländern freistellen, auch Ersatzgeldzahlungen statt der bisherigen realen
Kompensationsmaßnahmen einzufordern. Wer der Natur einen Schaden zufügt, muss
diesen also nicht mehr in natura kompensieren, sondern kann sich einen Ablass
erkaufen. Damit wird die bisherige bundeseinheitliche Regelung zersplittert.
Denn die niedersächsische Landesregierung, eifrigste Befürworterin dieser
Regel, bastelt schon an einem entsprechenden neues Landes-Naturschutzgesetz. es steht zu befürchten, dass diese Gelder bald auch nicht
mehr dafür verwendet werden, die chronisch unterfinanzierten
Umweltverwaltungen zu finanzieren. Einschränkung der gerichtlichen Überprüfung im
Genehmigungsverfahren Dazu kommt noch der Versuch die bisherigen
Möglichkeiten der gerichtlichen Überprüfung bei Genehmigungsverfahren
einzuschränken. Die Urteile zum Kohlekraftwerk Datteln haben gezeigt wie
wichtig die bisherigen Möglichkeiten für die Bürger sind, um sich gegen
fehlerhafte Genehmigungsverfahren zu wehren. Grüner Standpunkt ist: Es muss
im Klagerecht und in der Öffentlichkeitsbeteiligung eine Angleichung an das
EU-Recht erfolgen. Die vom europäischen Recht geforderte Entkoppelung der
Durchsetzung von Umweltrecht von der Verletzung subjektiver Rechte Dritter
muss endlich umgesetzt werden. Sonst bleiben weiterhin Entscheidungen
darüber, ob Vorsorge-Grenzwerten eingehalten werden oder nicht, der
Überprüfbarkeit durch die Öffentlichkeit weitgehend entzogen. Immissionsschutz und Stoffpolitik Schwarz-Gelb schreibt hier im Koalitionsvertrag
faktisch nur fort, was sowieso bereits auf den Weg gebracht wurde.
Verbesserungen bei Emissionen, die die Luft, das Wasser oder den Boden
belasten, sind nicht vorgesehen. Der Bereich der Innenraumbelastung wird gar
nicht angesprochen. Somit sind keine Verbesserungen in Hinblick auf die
gesundheitlichen Auswirkungen, sondern im Gegenteil sogar Abbau von
bürokratischen "Hürden" bei der Produktzulassung zu befürchten. Verbraucherschutz, 3. November 2009 Mogelpackung Verbraucherschutz Im Verbraucherschutzkapitel haben die schwarz-gelben
Koalitionäre vielversprechende Worte gefunden, ohne sich verbindlich auf
bessere Schutzregeln festzulegen. Die Lippenbekenntnisse für Transparenz und
Aufklärung fallen schnell in sich zusammen, wenn die genauen
Projektbeschreibungen gelesen werden. Das Verbraucherministerium bleibt zudem
ohne klare Zuständigkeit bei den drängenden Problemen auf den Finanzmärkten,
beim Datenschutz oder für Patientenrechte. Unzureichende Regeln für den Finanzmarkt Nur vage verspricht die Koalition, dass die
Finanzmärkte "stringent und effektiv reguliert und beaufsichtigt"
werden müssen. Die Lösungsansätze bleiben im Dunkeln. Die neue Regierung
versäumt einerseits eine strengere Regulierung bei der Haftung, die Übertragung
von Verbraucherschutzaufgaben an die Finanzaufsicht und die überfällige
Abkehr vom Irrweg "provisionsabhängiges Beratungssystem".
Andererseits unterbleiben der Ausbau der Verbraucherberatung und die
Errichtung eines Finanzmarktwächters. Von Ilse Aigners angekündigter
"Qualitätsoffensive Verbraucherfinanzen" ist nicht mehr viel übrig
geblieben. Kein Schutz von Kundendaten und
Verbraucherschutz im Internet Prüfen, evaluieren und auf die lange Bank schieben.
Im Internet bleiben Verbraucherinnen und Verbraucher weiterhin den Tricksern
und Datensammlern ausgeliefert. Zwar setzt Schwarz-Gelb auf eine
"Stiftung Datenschutz", deren Finanzierung jedoch ungeklärt ist.
Der Handel mit persönlichen Daten soll lediglich "evaluiert"
werden. Ein verpflichtendes Bestätigungsfeld für Verträge im Internet und ein
separates Preisangabefenster sind zu wenig, um die Abzocke im Internet zu
stoppen. Die Idee ist überdies schon in der zurückliegenden Legislaturperiode
am Wirtschaftsflügel der CDU gescheitert. Verbraucherinformationsgesetz Ein seltener Lichtblick für Verbraucherinnen und
Verbraucher: Die neue Regierung verspricht die überfällige Reform des
Verbraucherinformationsgesetzes. Allerdings bleibt abzuwarten und aufmerksam
zu kontrollieren, ob dabei Standards abgebaut werden. Einheitliche Regeln,
aber auf niedrigerem Niveau wäre ein Bärendienst. Verbrauchertelefon Die Koalition will ein zentrales Verbrauchertelefon
mit Lotsenfunktion als Konkurrenz zu den Verbraucherzentralen einrichten. Ein
alter Hut, der sich nicht bewährt hat. In den 90er Jahren wurden die
telefonischen Verbrauchertipps mangels Nachfrage eingestellt. Gesucht ist der
persönliche Rat. Besser würde das Geld in den Ausbau der Beratungsstellen
gesteckt. Aber der sparsame und gemeinwohlorientierte Einsatz von
öffentlichen Geldern gehört eh nicht zum Markenzeichen der neuen Regierung.
Hier wird nicht einmal eine Klientel befriedigt, sondern einfach eine
Mogelpackung produziert. Fahr und Fluggastgastrechte Laut hatte die FDP getönt und bessere Fahr- und
Fluggastrechte versprochen. Nun soll lapidar geprüft und
"gegebenenfalls" verbessert werden. Als Tiger gestartet und als
Bettvorleger gelandet! Nachhaltiger Konsum Ideenlosigkeit beim Zukunftsthema Nachhaltigkeit.
Die Koalition setzt lediglich auf freiwillige Informationen von Handel und
Wirtschaft. Hier wird Politik wieder einmal nicht von den Bürgerinnen oder
Bürgern her gedacht. Jeder Käufer sucht mittlerweile eine Orientierungshilfe
für vernünftige und nachhaltige Produkte, also ein Nachhaltigkeitssiegel oder
verbindliche Regelungen und Sanktionen für den Handel - nur Schwarz-Gelb
sieht das nicht. Keine Lebensmittelampel Das Koalitionsmotto lautet "Bloß nichts
verändern". Bei den Festschreibungen, über das, was bei uns auf den
Tisch kommt, hat die Lebensmittellobby die Feder geführt. Die klare und
leicht verständliche Ampelkennzeichnung für Lebensmittel lehnt Schwarz-Gelb
ab. Stattdessen schlägt sie das komplizierte Industriemodell vor. Ein Affront
gegen Verbraucherschützer, Krankenkassen und Ernährungsforscher. Auch andere
wichtige Kennzeichnungslücken wie zum Beispiel tierische Lebensmittel aus
Gentechnikfütterung oder ESL-Milch werden im Koalitionsvertrag weder erwähnt
noch geschlossen. Die Ernährungsprobleme einer modernen Gesellschaft werden
so nicht gelöst. Verkehrspolitik, 2. November 2009 Zurück in die Vergangenheit Die Verkehrspolitik der neuen Koalition folgt dem
Leitmotiv: Mehr Straßen = mehr Wachstum = mehr Wohlstand. Autos und Lkw
sollen vor der Umwelt geschützt werden und nicht umgekehrt. Klimaschutz im
Verkehr oder integrierte Verkehrspolitik tauchen überhaupt nicht auf. Im
Gegenteil: Wirksame Instrumente wie ein Tempolimit auf Autobahnen oder eine
City-Maut werden sogar explizit ausgeschlossen, der Abbau von
Steuerprivilegien des Luftverkehrs (Kerosinsteuer, Mehrwertsteuerbefreiung)
nicht einmal erwähnt. Kampfansage beim Nachtflugverbot Die Ankündigung, sich für einen Ausbau der
Flughafeninfrastruktur einzusetzen und "international wettbewerbsfähige
Betriebszeiten" sicherstellen zu wollen, ist eine klare Kampfansage an
die lärmgeplagten FlughafenanwohnerInnen. Insgesamt folgen die wenigen
positiven Ansätze aus den Arbeitsgruppenpapieren in der Endversion raus. So
gibt es weder eine Absenkung der Lärmgrenzwerte um fünf Dezibel an Straßen
noch einen Verzicht auf Staustufen an Donau und Elbe. Stattdessen wird zum Angriff
auf die Umweltzonen geblasen, die mit bundesweit einheitlichen
Ausnahmeregelungen die alten Stinker wieder in die Innenstädte fahren lassen
werden. Mit kreditfinanziertem Schattenhaushalt Straßen
bauen Die Bedeutungslosigkeit der Verkehrspolitik in der
neuen Regierung zeigt sich nicht nur in der Wahl des Ministers, der seine
Hauptaufgabe vermutlich vor allem darin sehen wird, möglichst viele
Bundesmittel nach Bayern zu lotsen, sondern auch in einem Abgleich des
ursprünglichen Entwurfs der Verkehrspolitiker mit der Endversion. So
schwächten die Finanzpolitiker die Formulierung, die Verkehrsinvestitionen
auf "derzeitigem" Niveau sicherzustellen ab. Stattdessen ist nur
noch von einem unbestimmt "hohem" Niveau
die Rede. Und dies soll auch nicht mehr über Haushaltsmittel, sondern über
die Kreditfähigkeit der Verkehrsinfrastrukturgesellschaft hergestellt werde.
Damit kehrt die Koalition zur schuldenfinanzierten Vorfinanzierung mit einem
Schattenhaushalt zurück, die Rot-Grün beendet hatte. Vorsichtige Ansätze für
eine Umstellung auf eine Nutzerfinanzierung flogen ebenso aus dem Vertrag wie
die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung Straße, die eine deutlich
effizientere Mittelverwendung bedeutet hätte. Bahnpolitik bleibt vage Eine klare Trennung von Netz und Betrieb bei der
Deutschen Bahn AG, wie sie insbesondere die FDP immer wieder gefordert hatte,
findet nicht statt. Stattdessen droht eine Privatisierung der
Transportsparten gegen Ende der Wahlperiode, wenn der Finanzminister Geld
braucht. Die stärkere Unabhängigkeit des Netzes und der Mittelzuweisung steht
unter Prüfvorbehalt. Hier war der Entwurf der Verkehrspolitiker ursprünglich
sehr viel deutlicher. Transrapid ist entschwebt Einziger Lichtblick: Der Transrapid ist endgültig
gescheitert. Obwohl vor allem CSU und FDP noch bis zum Frühjahr letzten
Jahres für den Transrapid München gekämpft hatten, taucht er mit keinem Wort
mehr auf. Das ist allerdings auch das einzige, was in der Mottenkiste einer
Verkehrspolitik aus dem vorigen Jahrhundert geblieben ist. Statt des selbst
postulierten "Mut für die Zukunft" müsste das Motto des
Verkehrsteils des Koalitionsvertrags "Zurück in die Vergangenheit"
lauten. Wirtschaftspolitik, Wirtschaftspolitisch zurück in die 1980er Jahre Im schwarzen-gelben Koalitionsvertrag geben
Exportausrichtung und betriebswirtschaftliche Aspekte den Ton an.
Unternehmenssteuerrecht, Bürokratieabbau und Abbau von Arbeitnehmerrechten
bestimmen die Agenda. Auf drängende Fragen haben Union und FDP keine Antwort,
beispielsweise darauf, ob Deutschland weiterhin einseitig auf Export setzen
soll und Erfolge dabei mit niedrigen Löhnen erreicht. Denn das geht auf
Kosten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Gleiches gilt für die
Finanzkrise: Schwarz-Gelb hat keine Idee von den Finanzmärkten der Zukunft
und wie sie wieder in den Dienst der Menschen und der Wirtschaft gestellt
werden sollen. Schlaue Wirtschaftspolitik muss Antworten auf das
größte Marktversagen der Menschheit, den Klimawandel finden. Sie muss Wege
aufzeigen, wie Klimaschutz und Wohlstand zusammen gehen können. Schwarz-Gelb
fehlt eine zündende Leitidee. Sie verlieren sich im Klein-Klein von
Genehmigungsverfahren und Klientelpolitik und spielen Ökonomie und Ökologie
klassisch gegeneinander aus. Ökologischer Umbau Die Pflicht zum Handel mit CO2-Emmissionen wollen
Union und FDP aufweichen, indem sie weitreichende Ausnahmetatbestände
schaffen. Diese Abschwächung würde den wichtigsten Anreiz für Investitionen
in Energieeffizienz mindern. Der Pfad hin zu einer neuen Energieversorgung und zu
den Potenzialen der "grünen Technologien" wird versperrt. Die
Koalition will das EEG stutzen. Das Signal: Erneuerbare Energien werden als
Kostenbelastung und nicht als Chance begriffen. Der Anspruch, eine
nachhaltige Industriepolitik zu skizzieren, wird ins Gegenteil verkehrt.
Laufzeitverlängerung für AKWs und massive Kürzung der Solarförderung.
Scharz-Gelb riskiert die Zukunft der deutschen Solarwirtschaft mit ihren
70.000 Arbeitsplätzen, während sie der Atomwirtschaft neuen Schwung verleiht.
Deutschland ist energiepolitisch auf dem Weg zurück in die 1980er Jahre. Wettbewerbspolitik Union und FDP reden viel von Wettbewerb.
Entflechtungsinstrument, Stärkung des Kartellamts oder Markttransparenzstelle
sind begrüßenswerte Elemente im Koalitionvertrag. Leider ist ihr Engagement
unglaubwürdig. Wenn es darauf ankommt, gehen Lobbyinteressen vor fairen und
funktionierenden Wettbewerb. Der Versandhandel bei Apotheken wird eingegrenzt
und das Mehrbesitzverbot aufrecht erhalten. Ein
Anbieterwettbewerb im Gesundheitssystem wird unterdrückt. Die großen Energieversorger werden gepäppelt, der
Stromkunde muss weiterhin Monopolpreise zahlen. Schon jetzt teilen sich Eon,
RWE, EnBW und Vattenfall 86 Prozent des Strommarktes unter sich auf. Diese
Marktmacht wird durch die geplante Laufzeitverlängerung für abgeschrieben
Atomkraftwerke betoniert. Schwarz-Gelb verhindert so Wettbewerb. Der Ausbau
der erneuerbaren Energien kommt nicht voran. Die obersten deutschen
Wettbewerbshüter sind sich einig. Sowohl die Monopolkommission als auch das
Kartellamt fordern: Laufzeiten nicht verlängern! Das ist die
Grundvoraussetzung für mehr Wettbewerb auf dem Strommarkt. Außenwirtschaft Union und FDP setzen auch weiterhin auf bilaterale
Freihandelsabkommen. Sie geben so kein eindeutiges Begenntnis zum
Multilateralismus. Für den Umweltbereich sollen zukünftig die
OECD-Umweltleitlinien alleiniger Maßstab bei der Prüfung von Anträgen auf
Exportkreditgarantien sein. Hermesbürgschaften können so auch für Export von
Atom-Technologie gegeben werden. Bei der Ausfuhr von Rüstungsgütern wird eine
Harmonisierung mit der Genehmigungspolitik der anderen EU-Staaten "auf
hohem Niveau" angestrebt. So könnten auch Restriktionen für
Rüstungsgeschäfte fallen. |