D a s   L i b e r a l e   T a g e b u c h

Sammlung Originaldokumente aus „Das Liberale Tagebuch“, http://www.dr-trier.de

 

 

 

 

 

Presse haut Schwarz-Rot Meseberg um die Ohren

Kommentare vom 24./25./26.08.07

 

Die Welt (24.):

Mit „Aufschwung – Teilhabe – Wohlstand“ ist das Papier überschrieben, das Merkel und Müntefering zu ihrer Pressekonferenz mitbringen und das die spärlichen Ergebnisse von Meseberg zu elf Seiten Text aufpumpt. Bei deren Interpretation beweist Müntefering, dass er der Kanzlerin im Fach Sozialstaatsrhetorik einige Jährchen voraushat. Ihm gelingen die schöneren sozialdemokratischen Sätze. Etwa: „Kostet das was? Ja es kostet was, aber es lohnt sich.“ Und: „Es gibt ein Primat der Politik“. Vor allem aber: „Wir wollen nicht vom Geld regiert werden.

Fränkischer Tag (24.):

Pflegeversicherung, Gesundheitssystem, Haushaltspolitik. Daran aber wagen sich Union und SPD nicht heran. Beide Lager wissen, dass es dabei immer Verlierer geben würde. Zu groß sind die Unterschiede, die die zur Schau gestellte Harmonie nicht übertünchen kann. In Hessen, Hamburg und Niedersachsen wird bald gewählt. Das sind die Termine, die die Großkoalitionäre wirklich bewegen. Sie wissen, dass es aus der Zwangsehe im Bund derzeit keinen Ausweg gibt und verharren deshalb bis 2009 in einer Tu-mir-nichts-dann-tu-ich-dirnichts-Haltung

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (26.):

Manchmal ist die Politik so langweilig, da möchte’ man sich ins Dichten flüchten. Da sich auf Meseberg höchsten Käseberg reimt, kann von dieser Zuflucht nur abgeraten werden, es sei denn, man wollte die Niveaulosigkeit auf die Spitze treiben. Bleibt zu ergründen, warum dies Bundesregierung mitsamt ihrer famosen Klausurtagung nach nicht einmal zwei Jahren des Regierens so gar nicht dazu taugt aufzuregen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung (25.):

Das Bündnis brachte in den vergangenen zwei Jahren einiges zustande, manchmal sogar überraschend viel. Auch sind sich die Koalitionäre politisch immer ähnlicher geworden, zum Schaden beider. Doch können selbst die Weihrauchschwaden von Meseberg nicht verdecken, dass diese Koalition auf wichtigen Reformfeldern wie dem Gesundheitssystem, dem Arbeitsmarkt oder der Haushaltskonsolidierung nicht mehr zu großen Taten fähig ist. Auflösen ließe sich diese Blockade wohl nur in anderen Bündnissen - nach denen Union und SPD schielen, sobald sie nicht mehr vor den Kameras Händchen halten

Frankfurter Rundschau (25.):

Von einer Regierung, die handlungsfähig und handlungswillig ist, wäre jetzt zu erwarten, dass sie ihre Prioritäten deutlich macht: Ist das die Stunde, in der lange unterbliebene Investitionen in Wissenschaft und Bildung, in öffentliche Infrastruktur und Forschung nachgeholt werden? Oder ist das die Zeit, die drastischen Steuer- und Abgabenerhöhungen, mit denen die Koalition angetreten ist, zu korrigieren? Da kommt nichts mehr. Meseberg ist kein neuer Anfang für die große Koalition, sondern der Anfang vom Ende. Das Ende wird sich hinziehen, zwei lange Jahre. Es wird eine Qual.

Kölner Stadtanzeiger (25.):

Das Motto für die verbleibenden zwei Jahre der großen Koalition, „Aufschwung - Teilhabe - Wohlstand“, ist deshalb so etwas wie ein Versprechen. Aber es ist nicht sicher, ob die Bürger überhaupt daran glauben. Zu oft blieben in den letzten Jahren Hoffnungen unerfüllt. Wenn sich etwas aus den Umfragen ablesen lässt, dann die Skepsis der meisten Bürger, ob der Aufschwung auch bei ihnen ankommt.

Lausitzer Rundschau (25):

Klare Aussprache, klare Ergebnisse. So will die Große Koalition ihre Klausur in Meseberg verstanden wissen. Viele der Initiativen, insbesondere beim Klimaschutz, müssen jetzt in Gesetze gegossen werden. Wer glaubt, dies geht geräuschlos über die Bühne, weil es beim Grillabend im Schlossgarten so nett gemenschelt hat, verkennt ein Markenzeichen der Großen Koalition: Es ist die Kleinkariertheit, mit der Details zur politischen Glaubensfrage stilisiert werden. Allein, um das eigene Profil zu schärfen

Leipziger Volkszeitung (24.):

Nicht weniger als die Zukunftsfähigkeit Deutschlands wollen Angela Merkel und ihre Ministerriege auf der Meseberger Regierungsklausur erreichen. Nichts gegen das hochgestochen schöne Ziel, aber in Wahrheit geht es nur um die Zukunftsfähigkeit der Großen Koalition selbst. Vor der Halbzeit der Legislatur wirkt die gefühlte Zwangsehe von Union und SPD zerstritten, innerlich ausgelaugt. Nach außenpolitischen Höhenflügen der Kanzlerin droht innenpolitische Themenschwindsucht als Folge gegenseitiger Blockade

Nordbyerischer Kurier (24.):

Spektakuläres steht nicht auf dem Programm. Es geht um Klimaschutz und Kinderarmut, um Fachkräftemangel und Rechtsextremismus. Themen, die die Welt bewegen, aber nur bedingt für einen Wahlkampf taugen. Kanzlerin und Koalition werden von anderen Entwicklungen getragen. Es gibt mehr Jobs, es gibt mehr Geld für Staatskasse und Sozialsysteme. Und der Eindruck setzt sich fest: Merkel hat das Land saniert. Das wirkt, bringt Anerkennung in der Bevölkerung, auch wenn die florierende Weltwirtschaft das Fundament ist, auf dem dies alles wächst

Ostsee-Zeitung (25.):

Herausgekommen sind vor allem Absichtserklärungen - wie bei einem Arbeitsprogramm so üblich". Doch sicher ist, jeder unerledigte Punkt dieser langen Liste wird bei den absehbaren Profilierungskämpfen zwischen Union und SPD auf die Rechnung gesetzt werden - von den Wählern. Das macht den Zauber demokratischer Politik aus: Parteien, ja politische Gegner, finden im eigenen Interesse auf Teilstrecken zur Arbeit zusammen. Ihr Versuch, auf diesem Weg eine erquickliche Zukunft zu gestalten, verdient sowohl Beachtung als auch Kritik. Selbstverständlich ist nichts so gut, dass es nicht noch besser gemacht werden könnte. Aber Macher sind hier allemal besser als Blockierer.

Rhein-Neckar-Zeitung (24.):

Deutschland, so scheint es, befindet sich auf einem guten Weg. Ach wie schön ist die Welt auf Schloss Meseberg. Wären da nicht die Widrigkeiten des Alltags. Und die werden sich bald einstellen. Mittels einer Wirtschaftslobby, die sich strikt gegen höhere Belastungen stellt - und auch durch die Verbraucher, die einer umweltfreundlichen Politik in aller Regel in den Rücken fallen. Billig muss es sein, nicht umweltverträglich.

Schweriner Volkszeitung (25.):

Das erste Signal von Meseberg ist, dass man sich weiter vertragen will. Das Signal dahinter schürt den Verdacht, dass diese Koalition nicht mehr viel schaffen wird. Mindestlohn, Atom-Laufzeiten, Verwendung der Steuern und Abgaben - kaum Klartext, wenig Einigkeit. Wer genau hinsieht, merkt, dass in Meseberg bei Grillwurst der Koalitionsvertrag noch einmal besprochen wurde, viel mehr nicht. Das wirkt tatkräftig, dient aber vor allem dem Zwischenmenschlichen bei ungleichen Partnern

Süddeutsche Zeitung (25.):

In dem zwölfseitigen Dokument, das die Ergebnisse der Klausur zusammenfasst, wimmelt es neben einiger Wir-wollen-den-Menschen-Gutes-tun-Rhetorik nur so von Prüfaufträgen und Gesamtkonzepten. Das ist einerseits mehr, als all jene politischen Klimaforscher erwartet hatten, die der Großen Koalition schon für diesen Sommer ein Abschmelzen der Gemeinsamkeiten prophezeit hatten: Es gibt wohl doch noch lohnende Ziele für die Regierung, mit deren Verwirklichung man zwei Jahre locker füllen kann. Andererseits hat das Kabinett in Meseberg, abgesehen von einem ordentlichen Klimaschutzpaket und Einzelregelungen für den Zuzug von Fachkräften, lediglich einen Wechsel auf die Zukunft ausgestellt

Stuttgarter Zeitung (25.):

Die Agenda für die zweite Halbzeit, die Angela Merkel und Franz Müntefering gestern vorgestellt haben, ist ein Armutszeugnis. Sie belegt, wie wenig die zwangsvermählten Volksparteien noch verbindet. Es handelt sich in weiten Teilen um ein Sammelsurium von Worthülsen, vagen Überschriften, wohltönenden Begriffen mit wenig Substanz