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s L i b e r a l e T a g e b u c h
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Sammlung
Originaldokumente aus „Das Liberale
Tagebuch“, http://www.dr-trier.de |
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Das schlimmste: Unentdeckte Fehltritte
Frage: Wie bewerten Sie den
Rücktritt von Postchef Klaus Zumwinkel? Westerwelle: Der Rücktritt von
Herrn Zumwinkel ist richtig, weil sich ein so internationales Unternehmen mit
so vielen Beschäftigten keine Hängepartie in seiner Führung erlauben kann.
Unabhängig davon, ob die Vorwürfe gegen Herrn Zumwinkel zutreffen oder nicht,
gilt es, Schaden von einem der wichtigsten deutschen Unternehmen abzuwenden. Frage: Ist das Ansehen der
Manager mit dem Fall Zumwinkel endgültig ramponiert? Westerwelle: Herr Zumwinkel
hat wie jeder Bürger das Recht, dass mit den gegen ihn erhobenen Vorwürfen
rechtsstaatlich, und das heißt ohne Vorverurteilungen, umgegangen wird.
Deshalb kann ich nur allgemein antworten: Schwarze Schafe gibt es in der
Wirtschaft wie in jedem Gesellschaftsbereich, sogar in der Kirche. Niemand
sollte deshalb auf die Idee kommen, die soziale Marktwirtschaft als Ganzes in
Frage zu stellen. Dies ist keine Krise der sozialen Marktwirtschaft, sondern
im Gegenteil ein Zeichen dafür, dass die Kontrolle in einem freiheitlichen
Rechtsstaat funktioniert. Wenn Skandale aufgedeckt werden, zeigt das, dass
das System funktioniert. Sorgen muss man sich machen, wenn nichts
herauskommt, weil alles unter den Teppich gekehrt wird. Frage: Andersherum gefragt:
Sollten Unternehmensführer auch moralische Vorbilder sein? Westerwelle: Jeder, der im
öffentlichen Leben steht, trägt eine besondere moralische Verantwortung.
Deshalb ist richtig: Das Fehlverhalten von Einzelnen, das man nicht
verallgemeinern kann, ist umso schlimmer, je herausgehobener die öffentliche
Stellung des Betroffenen ist. Frage: Steuerhinterziehung ist
die eine Sache, hohe Abfindungen eine andere, wenn sie unternehmerische
Misserfolge belohnen. Warum kommt es immer wieder vor, dass Aufsichtsräte
nicht richtig Aufsicht üben? Westerwelle: Es ist nicht die
Aufgabe des Staates, Gehälter, Abfindungen oder Gagen für Manager,
Fußballspieler oder Operndiven festzusetzen, mögen sie uns auch noch so
spektakulär oder unangemessen erscheinen. Das ist Angelegenheit der
Eigentümer, also bei einer Aktiengesellschaft der Aktionäre. Auch da warne
ich vor Pauschalierungen. Wenn jemand wie der Porsche-Chef mit hohem
persönlichem Risiko in ein marodes Unternehmen einsteigt und anderthalb
Jahrzehnte später diese Firma zu einem der international bestaufgestellten
Autokonzerne gemacht hat, bei gleichzeitiger Schaffung von Tausenden von
Arbeitsplätzen, dann haben wir zu respektieren, wenn die Eigentümer den
Manager auch an dem großen wirtschaftlichen Erfolg teilhaben lassen wollen. Frage: Der Ruf in der Politik
nach Begrenzung der Managergehälter wird aber lauter! Westerwelle: Wenn SPD, Grüne
und Linkspartei mit dem Finger auf Fehler in der Wirtschaft weisen, zeigen
mindestens vier Finger auf sie zurück. Dass im Zuge der US-Immobilienkrise
eine Staatsbank nach der anderen – für die Regierungen Aufsichtsverantwortung
tragen – in Schwierigkeiten gerät, zeigt zweierlei: Dass es sich bei der
pauschalen Managerschelte mehr um eine parteipolitische Kampagne als um
sachlich motivierte Kritik handelt, und dass der Staat sich bei
Bankgeschäften zurückhalten sollte. Bei der IKB ist die Staatsbank KfW gegen
die wirtschaftliche Vernunft und gegen den Widerstand der FDP Anfang dieses
Jahrzehnts unter Rot-Grün eingestiegen. Jetzt hat sich die IKB auf dem
internationalen Markt verzockt – und die Bundesregierung versucht, sie mit
sechs Milliarden Euro zu retten. Bundesfinanzminister Steinbrück hat noch
nicht die Frage beantwortet, welche persönliche Verantwortung er dafür zu
übernehmen bereit ist, dass dort Milliarden Steuergelder verbrannt wurden. Frage: Sehen Sie unsere
Gesellschaft auseinanderdriften in „die da oben“ und „die da unten“? Westerwelle: Die Wohlstandsspreizung ist in Deutschland etwa genauso groß wie in Schweden. Die Tatsache, dass es einige skurrile und gelegentlich empörende Beispiele gibt, wird mich nicht dazu bringen, die von den linken Parteien empfohlene Alternative – mehr Staatswirtschaft – besser zu finden. Dass bei sozialistischem Volkseigentum weniger Fehler und Missbrauch passieren, halte ich angesichts der Erfahrungen in unserer eigenen Geschichte für groben Unfug. Der Unterschied zur sozialen Marktwirtschaft: Bei uns kommen die Fehler und Missgriffe regelmäßig heraus. Viel schlimmer wäre es doch, wenn Fehltritte unentdeckt blieben. |